Offenbar hatte bereits der Neanderthaler einen Sinn für Kunst: In einer Höhle in der spanischen Provinz Murcia wurden 50000 Jahre alte gelochte und mit Farbpigmenten verzierte Muscheln gefunden.
Kunst – Muße und Ausdrucksform. Die Frage nach dem frühesten Kunstschaffen des Menschen beschäftigt die archäologische Forschung zurzeit besonders. Bedeutende Funde im Hinblick auf diese Fragestellung gelangen nun in der Höhle von Aviones im südöstlichen Spanien in der Nähe des Mittelmeeres: gelochte Herz- und Meermuscheln, die mit roten und gelben Farbpigmenten von Hermathit und Pyrit verziert waren. Ihre Größe beträgt 4 – 9 cm; die Löcher könnten darauf hinweisen, dass sie mit einer Schnur um den Hals getragen wurden.
Bei der naturwissenschaftlichen Untersuchung der Mineralien konnten der Forscher João Zilhãoa und sein Team die Vorkommen lokalisieren: Sie liegen in ca. 7 km Entfernung. An einer Jakobsmuschel konnten ebenfalls Pigmentreste von orange gemischter Farbe auf ihrer Außenschale nachgewiesen werden, die aus Geothit und Hermathit bestehen. Sie stammen aus einem 60 km landeinwärts gelegenen Feldüberhang – Cueva Antón. Das deutet darauf hin, dass die Muscheln über weite Strecken mitgeführt wurden.
Eindeutig konnte das Alter von 50.000 Jahren für die Funde bestimmt werden. Das weist die Muscheln in die Zeit der Neanderthaler (homo neanderthalensis), der vor ca. 160.000 – 30.000 Jahren in Europa lebte. Bislang wurden Kunstgegenstände, bzw. Kultgegenstände, die mit Symbolen verziert sind, jedoch lediglich dem modernden Menschen (homo sapiens) zugeschrieben. Dieser wanderte allerdings erst vor ca. 40.000 Jahren von Afrika aus kommend in Europa ein.
Symbole werden in der Forschung als soziales Kennzeichen betrachtet und verweisen auf die Intelligenz der Spezies. Den Forschern der englischen Universität Bristol zufolge kann diese auch dem Neanderthaler zugesprochen werden, der bisher nicht auf eine Stufe mit dem modernen Menschen gestellt wird. 75.000 Jahre alte, durchbohrte Schneckenhäuser aus der Blombos-Höhle in Südafrika werden dem modernen Menschen zugeschrieben. Aus der gleichen Umgebung stammen ebenfalls zahlreiche durchbohrte Muscheln. Wahrscheinlich gehörten sie zu einer Halskette – möglicherweise wie die gefundenen Muscheln aus Spanien. In den Fundstellen der Neanderthaler wurden bisher kaum Schmuckstücke gefunden. Vielleicht wird sich das in Zukunft ändern, wenn João Zilhãoa und sein Team noch weitere Zeugnisse frühen Kunstschaffens finden.
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Öffnungszeiten für Museum und Fundstelle:
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Montags ist das Museum geschlossen!