Mainz – Stadt Gutenbergs, Stadt der Verlage. Seit mehr als 200 Jahren gehört auch der Verlag Philipp von Zabern zu Mainz. Die Mainzer Stadtbibliothek stellt nun Verlagseinbände aus Historismus und Jugendstil aus – wahre Schmuckstücke der Buchbinderkunst.
Das im Laden zu erwerbende gebrauchsfertige Buch, wie wir es heute kennen, entwickelte sich im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Den dafür in Großbuchbindereien seriell im Auftrag eines Verlags überwiegend maschinell hergestellten Einband bezeichnet man als Verlagseinband. Über seine Gestaltung und die Voraussetzungen seiner Entstehung lässt sich ein Panorama mit einzigartigen Einblicken in die künstlerische, gesellschaftliche und industrielle Entwicklung der Zeit entfalten. Der Verlagseinband ist ein besonderes Zeugnis, dessen Erforschung und Erhaltung stärker in den Fokus des öffentlichen Interesses rücken sollte. Die Mainzer Ausstellung will dazu einen kleinen Beitrag leisten.
Im Wesentlichen beschäftigt sie sich mit dem Verlagseinband zwischen 1870 und 1914. Dieser Zeitrahmen markiert die Eckpunkte zweier Stilarten – des Historismus und des Jugendstils. Der Historismus ist gekennzeichnet durch den Rückgriff auf den Formenschatz früherer Jahrhunderte, vorwiegend der Renaissance. Im sich anschließenden Jugendstil um 1900 lösen dagegen fließende Linien und Formen den rückwärtsgewandten Formenkanon ab.
Mehr als 250 Verlagseinbände werden aus der Privatsammlung Mühlinghaus und aus der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz präsentiert. Diese verfügt über einen Reichtum an bemerkenswerten Einbänden aus der Zeit zwischen 1830 und 1914, der bis vor wenigen Jahren kaum bekannt war.
Dr. Gerhard Mühlinghaus hat die Bestände des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in den Jahren 2006–2007 systematisch durchgesehen. In enger Kooperation zwischen Forschung und Altbestandsabteilung konnten dabei zahlreiche Bücher in die Rarasammlung aufgenommen und konservatorisch angemessen aufgestellt werden.
Begleitpublikation
Begleitend zur Ausstellung haben der Kunsthistoriker und Sammler Gerhard Mühlinghaus und Annelen Ottermann, die Leiterin der Abteilung Handschriften, Rara, Alte Drucke und Bestandserhaltung, eine 120 Seiten umfassende Publikation erarbeitet, in der die 253 Exponate beschrieben und durch ein Register der Einbandkünstler erschlossen werden. Der Bildteil enthält 132 Farbabbildungen.
In einem ausführlichen Aufsatz skizziert Gerhard Mühlinghaus die Geschichte des Verlagseinbands und zeichnet seine stilgeschichtliche Entwicklung nach. Annelen Ottermann zeigt in ihrer bibliothekarischen Annäherung an den Verlagseinband die bisherige Beschäftigung mit dem Thema in Bibliotheken und Sammlungen auf.
Historismus und Jugendstil: Verlagseinbände aus der Stadtbibliothek Mainz und der Sammlung Mühlinghaus
Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz, Rheinallee 3 B
1. Oktober 2009 – 6. Februar 2010
Mo – Sa 9.00 – 12.30 Uhr, Mo – Do 14.00 – 18.00 Uhr
Eröffnung: 30. September 2009, 18.30 Uhr
Begleitpublikation: 120 Seiten, 12,- € (Die Publikation ist ab 30.9. in der Stadtbibliothek und der Mainzer Gutenberg-Buchhandlung Dr. Kohl, Große Bleiche erhältlich. Bestellungen sind zu richten an: martina.roggenbuck@stadt.mainz.de.)
- A. Ottermann -
