Verlag Philipp von Zabern


Lionel Casson, der Historiker antiker Seefahrt, ist tot

Farewell for now

Tuts Vorkammer
Foto: Deutsches Museum München @ Wikimedia Commons GNU-Lizent V. 1.2

Im gesegneten Alter von 94 Jahren starb der Althistoriker Lionel Casson im Juli 2009 in Manhattan. New York war die ganze Zeit über der Mittelpunkt seines privaten und wissenschaftlichen Lebens.

Geboren 1914 als Lionel Cohen in Brooklyn, änderte der Sohn eines Holzhändlers seinen Familiennamen später in Casson. Sein Arbeitsschwerpunkt waren die „classics“ also das antike Griechenland und Rom, aber auch andere alte Kulturen wie Ägypten, Mesopotamien oder Phönikien. Nach seinem Studium an der New York University und dem Abschluss mit Doktortitel ebenda 1939 wurde er von seiner Heimatuniversität als Dozent angestellt, bis er schließlich von 19611979 die dortige Professur für Alte Geschichte bekleidete. Neben seiner Lehrtätigkeit schrieb er über 20 Bücher, die zu Klassikern und über ein halbes Jahrhundert hinweg immer wieder aufgelegt wurden. Doch nur wenige seiner gut lesbaren Bücher wurden ins Deutsche übersetzt, so dass er hierzulande vor allem als Reisehistoriker bekannt ist und seine anderen Arbeitsgebiete noch zu entdecken bleiben.

Einer seiner Themenbereiche waren die Literatur, Schriftsteller (Menander, Lucian) und das Theater der Antike. In diesen Bereich gehört auch eines seiner jüngsten Werke, die „Bibliotheken in der Antike“, in Erstausgabe erschienen 2001. Sein Hauptinteresse galt jedoch der antiken Seefahrt, dem Reisen, aber auch dem Kriegführen im Mittelmeerraum. Seine Bootstypologie umfasst Beschreibungen vom simplen Einbaum bis hin zur griechischen Trireme oder der gigantischen ptolemäischen Galeere, die von 4000 Ruderern angetrieben wurde. Dabei bezog er neben Schriftquellen und bildlichen Darstellungen von Schiffen auch archäologische Funde wie Amphoren mit ein, was Casson zu einem ausgewiesenen Kenner der Unterwasserarchäologie machte.  

Doch Casson war auch selbst aktiver Seemann und nicht nur Schreibtischtäter – angefangen in seiner Jugend, als er mit einem Freund die Gewässer vor Long Island unsicher machte, ließ ihn das Meer nie wieder los. Während der 1950er Jahre besuchte er schließlich nach und nach jeden ehemals bedeutenden Hafenort am Mittelmeer sowie in Afrika und Asien. Und als er im Alter von fast 80 Jahren Zeuge wurde, wie Nachbauten der Kolumbus-Schiffe Santa Maria, Niña und Pinta in New York einliefen, sah er mit kritischem Auge zu. „Sie sahen gut aus, bis sie ihre Segel einholten. Als sie sich danach noch vorwärtsbewegten, war klar dass sie motorisiert waren!“ Für einen Schiffshistoriker wie Casson ein Sakrileg!

Quelle: http://www.nytimes.com/2009/07/25/nyregion/25casson.html?_r=1&scp=1&sq=lionel%20Casson&st=cse

– aro – 08/09

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