
Millionen Touristen strömen jedes Jahr auf die Insel Zypern, doch nur wenige wissen, dass sie nicht nur von unvergleichlicher landschaftlicher Schönheit, sondern auch eine archäologische Schatzkammer ist. Unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Republik Zypern und der deutschen Bundeskanzlerin präsentiert das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim vom 13. März bis 12. September 2010 in der europaweit einzigartigen Schau „Zypern – Insel der Aphrodite“ die reichen Schätze dieser faszinierenden Insel und macht auf Zyperns weitgehend unbekannte Rolle als Wiege der europäischen Kultur aufmerksam.
Der legendäre Wohlstand Zyperns in der Antike basiert auf seinem Kupferreichtum. Bereits seit der Bronzezeit war die Insel ein wichtiges Zentrum der Kupfergewinnung im Mittelmeer. Das Metall ist notwendiger Bestandteil der Bronze, die lange Zeit einen der wichtigsten Werkstoffe, aus dem Dinge des täglichen Lebens wie Waffen, Geräte, Gefäße und Statuen (Abb.: Der Löwenkopf war Teil des prächtigen zweirädrigen Wagens, der mit den zugehörigen Pferden zeitgleich mit dem Verstorbenen bestattet worden war. Mit seiner flachen Ladefläche und einem Baldachin diente der Wagen vermutlich zum Transport des Sarkophags. © Department of Antiquities, Zypern) gefertigt wurden, bildete.
Als Knotenpunkt wichtiger Handelsrouten profitierte die Insel von ihrer geografischen Lage im östlichen Mittelmeer, denn zyprisches Kupfer wurde zu einem begehrten Handelsobjekt und Zypern entwickelte sich zum bedeutendsten Produzenten und Lieferanten im östlichen und zentralen Mittelmeerraum. Den weitreichenden Handel Zyperns mit dem begehrten Rohstoff bezeugen die für zyprisches Kupfer typischen “Ochsenhautbarren”, die im gesamten mediterranen Raum gefunden wurden. Der Name der meist 20 bis 35 kg schweren Barren geht auf ihre äußerliche Ähnlichkeit mit gespannten Tierfellen zurück.Der Kupferhandel trug nicht nur zum Wohlstand der Insel, sondern auch zu ihrer bedeutenden kulturellen Entwicklung bei. Auf Zypern entstanden eindrucksvolle Städte mit kosmopolitischem Charakter und vielfältiger Kunst und Kultur – jeweils eine fruchtbare Verbindung lokaler Elemente und fremder Einflüsse.
Die enorme Bedeutung des Kupfers für Zypern hatte auch eine große religiöse Dimension. Besonders deutlich spiegelt sich dies in einer 35 cm großen Bronzestatuette wider, die um 1200 v. Chr. entstand und in einem Heiligtum in Enkomi gefunden wurde: Sie stellt eine bärtige männliche Gestalt in einem knielangen Gewand und mit Lanze dar, die mit Schild und einem gehörnten Helm auf einer Basis in Form eines Ochsenhautbarrens steht. Dieser sog. „Gott auf dem Barren“ (Abb.: Der kriegerische Gott steht auf einem Kupferbarren. Die Figur verdeutlicht die hohe Bedeutung des Rohstoffs, der sogar göttlichen Schutz erhielt. © Department of Antiquities, Zypern) und weitere Miniaturnachbildungen von Ochsenhautbarren, die als Weihgeschenke in Heiligtümern gefunden wurden, zeugen von der religiösen Bedeutung des Kupfers für Zypern.
Die enge Verbindung von Kupfer und Kult wird aber auch daran deutlich, dass sich an mehreren Orten über Zypern verstreut kupferverarbeitende Werkstätten finden, die nah bei Kultplätzen angesiedelt waren. Aphrodite als Gattin des griechischen Schmiedegottes Hephaistos lehrte die Bewohner Zyperns das Metallhandwerk, wie man sich in der Antike erzählte. Als Göttin der Fruchtbarkeit war Aphrodite also nicht umsonst die zyprische Gottheit par excellence, denn auf gewisse Weise verdankt die Insel ihr ihren Wohlstand.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildertes Begleitbuch mit Beiträgen renommierter Zypern-Experten aus dem In- und Ausland.