Verlag Philipp von Zabern


Das abschreckende Beispiel des Kaisers Nero

Wie man einen Songcontest gewinnt, ohne singen zu können

Tuts Vorkammer
Nero - der Künstler. So sah sich der umstrittene Kaiser selbst am liebsten. Dabei hatte er keine Skrupel, wenn es um die Teilnahme an Sängerwettstreiten und vor allem den Sieg ging (Foto: Wikipedia/Bibi Saint-Pol, 2007-02-08).

Gesangeswettbewerbe wie "Deutschland sucht den Superstar" oder der Eurovision Song Contest sind kein Phänomen unserer Zeit. Bereits in der Antike zählte der Wettstreit unter Sängern zu den beliebtesten Spektakeln. Dabei ging es nicht immer fair zu und bei Weitem gewann nicht unbedingt der Beste.
Zu den wohl bekanntesten Teilnehmern zählt sicherlich Kaiser Nero, der mit mehr als nur einem Preis bedacht wurde.

Bekanntermaßen sah sich der römische Kaiser Nero selbst in erster Linie als Künstler, nicht als Beherrscher eines Weltreiches. Immer wieder lud er zu Gesangsaufführungen, und gelegentlich baute er an der Tür einen Trupp Soldaten auf, damit kein Zuschauer den Saal vorzeitig und fluchtartig verließ. Es sollen sogar Frauen während seiner Gesänge niedergekommen sein, denn auch sie durften nicht nach draußen. Der spätere Kaiser Vespasian verdankte es nur dem Umstand, von Nero gebraucht zu werden, dass er nicht hingerichtet wurde – er hatte es doch tatsächlich gewagt, während der kaiserlichen Darbietung einzuschlafen!
Wir müssen uns nur an Peter Ustinovs geniale Darstellung des Kaisers im Film Quo vadis erinnern, wie er „brenn‘ weiter, du altes Rom!“ vor der Kulisse der in Flammen stehenden (weil in seinem Auftrag angezündeten) Stadt zur Lyra singt. Ustinov erzählte später, sein Gesangslehrer hätte ihm geraten „atmen Sie mit der Stirn, denken Sie mit dem Zwerchfell, singen Sie mit dem Auge!“. Nun können wir uns unschwer vorstellen, wie Kaiser Nero sich angehört haben muss!

War dieser erzwungene Musikgenuss schon schlimm, so war die Teilnahme an musischen Agonen noch eine ganz andere Kategorie. Seit altgriechischer Zeit konkurrierten alle paar Jahre wieder die Besten ihres Faches um die Siegerpalme im Gesang. Als plötzlich Nero auf der Bildfläche, sprich Bühne, auftauchte, hatten alle anderen keine Chance mehr und selbstverständlich bekam allein der Kaiser Dutzende von Preisen, die er stolz zurück nach Rom trug. Fazit: Man muss nur Kaiser sein, dann kann man alles haben, auch Preise für nicht vorhandene Sangeskunst!

(Ähnlichkeiten mit aktuellen Wettbewerben sind natürlich rein zufällig)

 

- Aro 06/10 -

 

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