Verlag Philipp von Zabern


Kochkunst von den Römern bis ins Mittelalter

Vergangene Gaumenfreuden

Tuts Vorkammer
"Einfaches Essen für einfache Leute" - dieser Grundsatz galt auch schon im Alten Rom. Dennoch ist die Speisenauswahl der römischen Küche keineswegs zu verachten - und lässt sich im Archäologischen Park Xanten probieren (Foto: Axel Thünker DGPh).

Auch wenn der Sommer mehr zu leichtem Essen, denn großen Gelagen verführt, so lohnt es doch, einmal einen Blick auf die Kochkunst vergangener Jahrhunderte zu werfen. Von den altrömischen Extravaganzen jenseits von Getreidebrei und Oliven über die mittelalterliche Klosterküche, die Schlemmereien der Renaissance bis hin zur wieder in Mode gekommenen Ernährungslehre der Hildegard von Bingen und dem Motto „Einfacher Leben“ reicht das Spektrum, das man ausprobieren könnte – und mit Sicherheit die eine oder andere erfreuliche (Wieder-)Entdeckung dabei machen kann.

Bereits zur Römerzeit galt „einfaches Essen für einfache Leute“, und die meisten Bewohner des Imperium Romanum lebten von Fladenbrot, Getreide und Bohnen als Grundstock ihrer Ernährung. Wer jedoch ein paar Sesterzen übrig hatte, der konnte sich, glaubt man denn Apicius und seinem Kochbuch, gekochten Strauß, Flamingo oder Haselmäuse servieren lassen, von allem möglichen Meeresgetier ganz zu schweigen. Doch nur die wenigsten werden ihren Wein mit aufgelösten Perlen oder die Täubchen mit Blattgoldauflage genossen haben, während frische Austern selbst in den Provinzen zum alltäglichen Minimum an Luxus gehörten. Alle Arten Gemüse wuchsen in den Gärten; Kräuter wurden nicht nur wegen ihrer Würzeigenschaft, sondern auch ihrer Heil- (oder Gift-)wirkung gezogen oder gesammelt. Fleisch kam vor allem in Gestalt von Rind, Schwein oder Huhn auf den Tisch.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit ernährten sich die meisten Menschen, die nicht das Glück hatten, an einem Königs- oder Fürstenhof leben zu können, wohl oder übel vegetarisch, denn Fleisch konnte sich kaum jemand leisten. Viele Rezepte der römischen Küche überlebten die Jahrhunderte über, oder aber sie waren so simpel, dass man sie ohne Probleme „erneut erfinden“ konnte. Fische waren jetzt vor allem als Fastenspeise beliebt, was die Anlage von speziellen Zuchtteichen, etwa in der Nähe von Klöstern, belegt. In dem Maße, in dem der Fernhandel sich ausweitete, wurden importierte Spezialitäten und vor allem fremdartige Gewürze wie Pfeffer zum erstrebenswerten Luxus. Pfefferkörner wurden damals beispielsweise abgezählt stückweise verkauft und nicht wie heute nach Gewicht.

Nach einer Zeit des Überflusses, bedingt durch Wohlstand und immer fortschrittlichere Logistik, besinnen sich heute viele Menschen auf diese einfachere Lebensweise vergangener Zeiten. Die Ernährungslehre der Hildegard von Bingen, einstmals gedacht für die Nonnen ihres Klosters, wird wiederentdeckt; alte Obst- und Gemüsesorten werden wieder angebaut oder rückgezüchtet, und viele verzichten bewusst auf Lebensmittel, die „mal eben“ um den halben Erdball eingeflogen wurden, um außersaisonalen Gaumenkitzel zu ermöglichen. Dabei sind Dinkel und Mangold, Quitte und Pastinake sicher ebenso wohlschmeckend und möglicherweise sogar gesünder als Drachenfrucht und Physalis. Versuchen Sie es doch einmal – Sie werden freudig überrascht sein!

 

- aro -

 

Freuen Sie sich mit uns auf "Grenzenlose Gaumenfreuden. Römische Küche in einer germanischen Provinz" und schwelgen Sie im Archäologischen Park Xanten in der Auswahl römischer Speisen!