
Auf dem Freigelände des Museums für Urgeschichte in Asparn/Zaya wurde nun neben dem keltischen Heiligtum aus Roseldorf ein zweites außergewöhnliches Gebäude aus der Keltenzeit nachgebaut. Dies fand auf Basis neuester Forschungen sowie unter Berücksichtigung keltenzeitlicher Techniken und Werkzeuge statt.
Das Urgeschichtemuseum in Asparn an der Zaya (Niederösterreich) hat eine neue Sehenswürdigkeit zu bieten: Die Rekonstruktion eines in das 2. Jh. v. Chr. datierenden Versammlungshauses. Das Modell im Maßstab 1:1 beruht auf archäologischen Befunden aus Michelstetten (Bezirk Mistelbach), wo die Niederösterreichische Landesarchäologie in den letzten Jahren umfangreiche Ausgrabungen durchführte. Das Fundspektrum ergab, dass eine Besiedlung vom Mittelneolithikum bis ins Mittelalter existierte. Einer der wichtigsten Abschnitte ist die Siedlung aus der Mittellatènezeit. Dabei wurde der Grundriss eines ca. 8 x 7,5 m großen Gebäudes festgestellt, das eine in Österreich bisher unbekannte Form aufweist.
Das Haus besteht aus vier ungewöhnlich tief eingegrabenen Holzpfosten, weshalb auf eine herausragende Höhe von ca. 6 m geschlossen werden kann. Die vier mächtigen Pfosten hatten die gesamte Last des Daches zu tragen, das wahrscheinlich mit Holzschindeln gedeckt war. Die Wände sind aus dicht an dicht gesetzten Holzbohlen errichtet. Im Süden besitzt das Gebäude ein breites Eingangstor, das mit einem eigenen vorspringenden Dach bedeckt war. Genau gegenüber liegt an der Rückseite eine kleinere Tür. Durch diese zwei Eingänge unterscheidet sich das Haus von den üblichen Wohnhäusern der Keltenzeit. Zudem lag es zentral an der Hauptstraße des keltischen Dorfes von Michelstetten. Daher wird vermutet, dass dieses herausragende Bauwerk als Versammlungs- und Kultzentrum des Dorfes diente. Vergleichbare Bauten sind bislang nur aus Westfrankreich und Süddeutschland bekannt.
Das Holzgebäude wurde von Experimentalarchäologen der Gruppe Wulf Hein auf dem Museumsgelände vornehmlich mit Werkzeugen und Techniken errichtet, die in der Keltenzeit bekannt waren. Die Außenwände wurden farbig angestrichen, um die Bedeutung des Versammlungshauses hervorzuheben. Im Zuge der Ausgrabung wurden leider keine Hinweise auf mögliche Einrichtungsgegenstände gefunden. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass in dem Versammlungshaus prunkvolle Waffen, Streitwagen, Pferdegeschirr, Kriegstrophäen und Beutestücke aufbewahrt wurden, die man bei Kriegerversammlungen, Festen und Gelagen zur Schau stellte. Darüber hinaus waren für Festmähler mit Sicherheit auch Kochkessel, Bratspieße, Fleischgabeln, Weinkannen, Trinkhörner und Becher vorhanden.
Experimentelle Archäologie spielt in Asparn/Zaya seit der Gründung des Museums vor 40 Jahren eine wichtige Rolle. Vor allem durch genaue wissenschaftliche Arbeit und Diskussion mit Experimentalarchäologen werden viele neue Projekte, wie nun die Rekonstruktion des keltischen Gebäudes, auf die Beine gestellt. Hierzu noch ein besonderer und ganz aktueller Tipp: Beim Keltenfest am 29. und 30. Mai 2010 wird das Versammlungshaus eingeweiht und kann als Schauplatz von musikalischen und tänzerischen Darbietungen erlebt werden.
- Ernst Lauermann & Peter Trebsche -
Museum für Urgeschichte Asparn/Zaya
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