
Von Schauspielführungen auf dem Trifels, über Konzerte im Mannheimer Wasserturm bis hin zu Jagdvogelflügen auf der Burg Guttenberg reicht das Programm für das größte Kulturereignis des Jahres 2010 in Süddeutschland. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen würdigen gemeinsam das bedeutendste Herrschergeschlecht des hohen Mittelalters mit Festen, Vorführungen und Konzerten. Im Mittelpunkt steht eine große Staufer-Ausstellung in Mannheim.
Anlässlich der Ausstellung der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen „Die Staufer und Italien“, die vom 19. September 2010 bis 20. Februar 2011 in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen gezeigt wird, feiern über vierzig Orte und Stätten mit dem Stauferjahr 2010 die berühmte Herrscherdynastie, aus der Kaiser wie Friedrich Barbarossa, Heinrich VI. oder Friedrich II. hervorgegangen sind. Initiatoren des Festprogramms sind die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (rem), die gemeinsam mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen, der Universität Heidelberg und der Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg das Stauferjahr 2010 organisieren.
Zu den beteiligten Orten zählen u. a. die Domstädte Worms, Mainz und Speyer, die Festungsanlagen der Reichsburg Trifels, der Hardenburg bei Bad Dürkheim, der Burg Guttenberg bei Neckarmühlbach und der Starkenburg bei Heppenheim sowie die Kaiserpfalzen Bad Wimpfen, Gelnhausen und Ingelheim. Der Kalender durchs Stauferjahr bietet bis Januar 2011 abwechslungsreiche Programmpunkte, darunter mehrere Sonderausstellungen, Konzerte, theatralische Inszenierungen, Mittelalterfeste, Lesungen, Vortragsreihen, Führungen und Aktionen.
Bereits im März startete die Deutsche Greifenwarte auf der Burg Guttenberg mit Flugvorführungen, bei denen als Reminiszenz an den Stauferkaiser Friedrich II. erstmals auch Jagdfalken zum Einsatz kommen. Parallel dazu zeigt das Burgmuseum seit April das von Friedrich II. verfasste Lehrbuch über die Falkenjagd und Vogelkunde „Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen“ – eine Abschrift des staufischen Originals aus dem 18. Jahrhundert. Auf der Reichsburg Trifels erwarten die Besucher eine neue Ausstellung mit dem Titel „Macht und Mythos“ sowie Schauspielführungen an den Wochenenden, welche die Befreiung des Richard Löwenherz in Szene setzen.
Zu den besonderen Höhepunkten zählen vom 16. Juli bis 1. August auch die von Dieter Wedel inszenierten Nibelungenfestspiele in Worms, die sich unter dem Titel „Teufel, Gott und Kaiser“ der Persönlichkeit Kaiser Friedrichs II. widmen. Bad Wimpfen gedenkt mit der historischen Freilichtinszenierung „Heinrich VII Rebell in Samt und Seide“ an mehreren Spieltagen im Juli an den Einzug Kaiser Friedrichs II. vor 775 Jahren, als dieser seinen Sohn Heinrich (VII.) unterwarf. Die Universitätsbibliothek Heidelberg präsentiert ab dem 26. Oktober mit dem Codex Manesse ihren größten Schatz, das sogenannte „Schönste Buch des Mittelalters“, das Darstellungen der staufischen Herrscher Heinrich VI. und Konradin enthält.

Mannheim, mit der Ausstellung „Die Staufer und Italien“ Hauptort des Stauferjahres, beteiligt sich mit mehreren Schauplätzen am Festprogramm. Die Ausstellung selbst erinnert mit bedeutenden originalen Kunstwerken, von denen viele noch nie in Deutschland zu sehen waren, an die Kunst und Kultur der Staufer und an die Vernetzungen mit Italien. Im Zentrum der Betrachtung stehen die Innovationen für Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kunst und Kultur in den drei staufischen Kernregionen, dem Rhein-Main-Neckar-Raum, Oberitalien und dem Königreich Sizilien. Zu den hochrangigsten Exponaten zählen die Welfenchronik (Abb. oben; © Handschrift D11, fol. 14r, der Hochschul- und Landesbibliothek Fulda) aus Fulda mit der Darstellung Kaiser Friedrich Barbarossas, die Steinskulptur des Thronenden Königs (Abb. unten; © 2004 The Metropolitan Museum of Art) aus New York oder der Krönungsmantel Friedrichs II. aus Metz.
Der Mannheimer Luisenpark bietet begleitend dazu unter dem Titel „Birdwatching mit den Augen Friedrichs II.“ vogelkundliche Führungen an, in denen 36 Vogelarten vorgestellt werden, die Friedrich II. in seinem „Falkenbuch“ beschrieben hat und die im Naturpark leben. Im Park ist außerdem ein gigantisches Bild Friedrich Barbarossas zu bewundern, das auf einer Fläche von 1.300 m² aus 23.000 Blumen gepflanzt wurde. Unter dem Motto „Italienische Lebensart in Mannheim“ verwandelt sich außerdem das Wahrzeichen der Stadt, der Wasserturm, in der Woche vom 20. bis 24. September auf Initiative des KulturNetz Mannheim Rhein-Neckar e. V. in „Torre d’Italia“ und präsentiert allabendlich eine besondere Mischung aus italienischer Literatur, Musik und Kunst, von Kabarett, Comedy, über Lesungen, klassischer Musik bis hin zu modernen italienischen Liedermachern.
Die Kunsthalle Mannheim zeigt ab dem 25. September unter dem Titel „Piranesis Vedute Di Roma“ Schätze aus ihrer grafischen Sammlung, die die Faszination der „Ewigen Stadt“ zum Thema haben, die schon die Staufer in den Bann zog. Drei Gastspiele im Museum Zeughaus gibt schließlich das Mittelalter-Ensemble der Capella Antiqua Bambergensis und lässt, unterstützt von den Musikern Christine Maria Rembeck, Arianna Savall und Petter Udland Johansen am 3. und 23. Oktober sowie am 7. November die Musik der Stauferzeit erklingen.
Das vollständige Programm des Stauferjahres 2010 kann als Faltblatt über die Website www.staufer2010.de bestellt werden und ist bei den Reiss-Engelhorn-Museen erhältlich.