
Sportliche Großereignisse sind keine Erfindung der Neuzeit und werden heute, wie schon in der Antike, von tausenden Fans begleitet. Wenn auch die Absicht hinter den Spielen nicht mehr dieselbe ist, lassen sich doch einige Parallelen finden...
Die Römer übten Ballspiele lediglich zur Erholung aus, während sie zur Belustigung in den circus gingen, wo sie sich von Wagenrennen, Gladiatorenkämpfen oder Tierhetzen unterhalten ließen. Veranstaltungen dieser Art waren die Großveranstaltungen und Publikumsmagneten schlechthin, der circus maximus in Rom konnte 150 000 Zuschauer auf seinen Rängen fassen, während das größte Stadion der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft in Johannesburg, Soccer City, lediglich rund 85 000 Schaulustigen Platz bietet.
Nicht nur die Größendimensionen der Veranstaltungen entsprechen einander, sondern auch die Gehälter der Akteure überstiegen schon in der Antike bei Weitem jene von Normalverdienern. Ein Wagenlenker, konnte es z. B., ähnlich den heutigen Profisportlern, zu einem wahren Vermögen bringen, denn der Sieg eines stadtrömischen Rennens wurde mit 15 000 bis 60 000 Sesterzen belohnt. Zum Vergleich verdiente ein Legionär der frühen Kaiserzeit etwa 900 Sesterzen im Jahr. Allerdings mußten die Sportler mit dem vollen Einsatz ihres Körpers bezahlen und schon früh nahm die Brutalität in den Wettkämpfen zu – schließlich ging es nur um eines, den Sieg. Und auch dies stellt keinen wesentlichen Unterschied zu heutigen Spielpraktiken dar, auch wenn unsere Spieler sicher nicht bis zum Äußersten gehen würden. So soll Leontiskos von Messana seinen Gegner im Bodenringen nicht etwa durch Niederwerfen bezwungen haben, sondern indem er ihm die Finger brach. Oder Arrhachion aus Phigalia, zweifacher Olympiasieger im Bodenringen, soll 564 v. Chr. bei einem Kampf den Tod gefunden haben, da er von seinem Kontrahenten erdrosselt wurde. Allerdings konnte er, kurz bevor er starb, seinem Widersacher die Zehen brechen, so dass dieser unter Schmerzen aufgeben musste und Arrhachion posthum zum Sieger erklärt wurde.
Bei Wagenrennen im römischen circus maximus gingen vier Parteien, genannt factiones, an den Start, die sich ähnlich den heutigen Sportmannschaften, anhand von unterschiedlichen Farben voneinander absetzten. Es gab die Blauen (veneti) und die Grünen (prasini) sowie die Roten (russati) und die Weißen (albati), die wohl zusammen zwölf Wagen ins Rennen schickten. Wobei die Berufsfahrer, aurigae, die häufig Freigelassene oder Sklaven waren, zwischen den unterschiedlichen factiones wechseln konnten, obgleich sich die meisten von ihnen einer bestimmten Gruppe verpflichteten. So genossen auch die factiones und nicht die einzelnen aurigae die Loyalität ihrer Anhänger, die durch die Farbwahl ihrer Kleidung, unserer Zeit sehr ähnlich, ihre Zugehörigkeit ausdrückten. Der Konkurrenzkampf, v.a. zwischen den Blauen und den Grünen war hoch und konnte sich schon mal gemischt mit politischen und religiösen Rivalitäten zu einem Aufstand entwickeln. Ob es allerdings schon in der Antike zu Streiks kam, wenn die Sportler mit ihren Trainern nicht zufrieden waren, wie das bei unseren «Blauen» bei der WM in Afrika der Fall war, ist allerdings nicht überliefert. In der Kaiserzeit wurden während der stadtrömischen Spiele in der Regel 24 Rennen am Tag gefahren, sprich ca. 100 Pferde. Was der heutigen Zeit wiederum verwandt ist, wobei auch keine Kosten und Mühen für ein sportives Großereignis gescheut werden, mit dem selben Ergebnis – eine freudige Stimmung zieht sich durch die Bevölkerung. Die römischen Kaiser veranlaßten, um den Zuspruch der Bürger zu erhalten, neben den Massenveranstaltungen zur Belustigung außerdem öffentliche Getreideverteilungen um die Versorgung des Volkes sicher zu stellen. Mit Freibier werden jedoch die heutigen Fans der Fußballweltmeisterschaft wohl nicht rechnen dürfen.
-AW–Redaktion-
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