Verlag Philipp von Zabern


Ein ungewöhnlich gut erhaltenes merowingerzeitliches Schwert begeistert die Fachwelt

Sensationeller Schwertfund

Tuts Vorkammer
Ungewöhnlich gut erhalten präsentiert sich ein nun der Öffentlichkeit vorgestelltes frühmittelalterliches Hiebschwert mit Holzgriff und reich verzierter Lederscheide (Foto Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie Koblenz).

Gut erhaltene Eisenfunde sind in der Archäologie selten. Die Korrosion im Boden zerstört eiserene Objekte oft bis zur Unkenntlichkeit. Umso herausragender ist deshalb der nun bekannt gewordenen Fund eines außergewöhnlich gut erhaltenen frühmittelalterlichen Schwertes in Rheinland-Pfalz.

Einem fränkischen Krieger gehörte einstmals das große, einschneidige Hiebschwert,  das Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie Koblenz, bei Ausgrabungen in Thür, Kreis Mayen-Koblenz, nun entdeckten. Im 7. Jh. n. Chr. war der sog. Sax die typische Schwertform. Von Skandinavien ausgehend verbreiteten sich die Saxe während der Römischen Kaiserzeit im germanischen Raum. In vier Entwicklungsstufen entwickelte sich die Waffe während der Merowingerzeit (frühes 5. – Mitte 8. Jh. n. Chr.) vom Kurz- und Schmalsax über den Breitsax bis hin zum Langsax, der eine Klingenlänge von durchschnittlich bis zu 52 cm erreichen konnte. In seiner Funktion wandelte sich der Sax somit von der dolchartigen Stichwaffe zum Hiebschwert.

Das in einem Gräberfeld bei Thür nun entdeckte Schwert  konnte mit Holzgriff und Überresten der Lederscheide geborgen werden. An dieser haben sich zudem Zierprägungen sowie Bronzeklammern und Nietnägel der Befestigung erhalten. Ein solch außergewöhnlich gut erhaltener Fund gelingt selten – organische Bestandteile wie Leder und Holz erhalten sich im Boden nur unter ganz bestimmten, seltenen Bedingungen, bedingt durch Korrosion wird Eisen zudem meist stark in Mitleidenschaft gezogen. Dr. Dr. Axel von Berg, Leiter der Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, merkt deshalb an: „Dieses außergewöhnlich gut erhaltene Hiebschwert konnte aufgrund günstiger Bodenverhältnisse in seiner Gesamtheit konserviert werden. Ein Glücksfall, der in unserer Region einmalig ist.“