Verlag Philipp von Zabern


Zur feierlichen Eröffnung des restaurierten Abschnitts der Roten Halle

Römische Monumentalität in Pergamon

Tuts Vorkammer
Das Innere der Roten Halle mit der neu installierten Besucherplattform (Foto: DAI Istanbul)

Die Restaurierung eines römischen Großmonuments von den Dimensionen der Roten Halle in Pergamon ist eine fast unabsehbare Langfristaufgabe. Umso erfreulicher ist es, dass nach einer über drei Kampagnen sich erstreckenden Restaurierungsphase nun mit dem südlichen Rundturm ein wesentlicher Abschnitt des Gebäudes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

Die Arbeiten wurden von der Pergamongrabung des Deutschen Archäologischen Instituts durchgeführt. Sie wurden von der Studiosus Foundation und von der Kulturhilfe des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland großzügig unterstützt und sind Teil der Ernst Reuter Initiative (ERI).

Die Rote Halle ist einer der prominentesten Baukomplexe des antiken Pergamon und gehört zu den monumentalsten römischen Bauanlagen in Kleinasien. Die Forschungsgeschichte reicht bis ins frühe 20. Jh. zurück, als die deutsche Pergamongrabung bereits prachtvolle Architekturzeichnungen der Ruinen erstellen ließ. Schon bald setzten auch erste Erhaltungsbemühungen ein. Angesichts der Größe dieser Aufgabe befinden sich aber bis heute weite Teile der Roten Halle in gefährdetem Zustand. Besonders galt dies für den südöstlichen Bereich mit der überkuppelten Rotunde, die dem namensgebenden, großen Ziegelbau südlich vorgelagert ist. In die originale römische Kuppel drang ungehindert Regenwasser ein und im Inneren waren tonnenschwere Fundstücke auf einem empfindlichen Gewölbe gelagert, das bereits an mehreren Stellen eingebrochen war. 

Mit behutsamen Maßnahmen, die auch die Spuren jahrhundertelanger Nachnutzung des Baukomplexes zu erhalten suchten, wurde nun der Bestand gesichert und für eine museale Nutzung konserviert. In besonders aufwändiger Weise wurde die Kuppel mit einer schützenden, denkmalgerechten Bleideckung versehen. Dazu musste die originale Konstruktion von tonnenschweren Aufschüttungen, Erde und Bewuchs befreit werden, außerdem war der gesamte Mauerkranz mit Teilen der antiken Gebälkzone zu sichern und zu großen Teilen neu aufzumauern. Zwei mächtige antike Marmorkonsolen, die einst den Dachüberstand trugen und in gefährliche Schräglage geraten waren, wurden dabei mit aufwändigen Ankerkonstruktionen konsolidiert.
Ein mächtiger Riss, der in der Kuppel seinen Ausgang nahm und die gesamte Westfassade des Turms durchzog, konnte geschlossen und in seinen Ursachen behoben werden, indem ein fehlender Entlastungsbogen in der Fassade wieder mit Ziegeln in den eigens dafür hergestellten antiken Formaten rekonstruiert wurde.

Im Inneren wurde eine neue Begehungsplattform installiert und südlich des Turmes wurde in den Resten benachbarter Fabrikanlagen aus dem 19. Jh. ein neues Depotgebäude eingerichtet. Dieses beherbergt die zuvor im Turm unter unzureichenden Bedingungen aufbewahrten, archäologischen Funde. Mit der Verlagerung dieser bedeutenden Objekte aus dem Rundturm in das Depot konnte nicht nur eine wesentliche Verbesserung ihrer konservatorischen Bedingungen erzielt werden, sondern auch die Grundlage für eine systematische wissenschaftliche Erschließung geschaffen werden, die ein weiteres Anliegen dieses Restaurierungsprojekts darstellte. Ein ausgewählter Teil dieser Funde kehrt nun für eine Ausstellung in den restaurierten Rundraum zurück, der damit erstmals für Besucher zugänglich gemacht wird. Damit ist ein wesentlicher Beitrag zum Erhalt eines der wichtigsten und umfangreichsten römischen Baukomplexe im östlichen Mittelmeerraum geleistet worden.
Im Rahmen einer Zeremonie, an der auch der Minister für Kultur und Tourismus der Republik Türkei, Herr Ertugrul Günay, und der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Türkei, Herr Dr. Eckart Cuntz, teilnahmen, wurde dieser fertig gestellte Restaurierungsabschnitt der Roten Halle in Pergamon am 27.9.2009 feierlich eröffnet.

- M. Bachmann, F. Pirson (DAI Istanbul) -