
Zum nunmehr 17. Mal findet in diesem Jahr am Samstag, den 4. September 2010,
von 10 bis 18 Uhr der Tag der Archäologie statt. Veranstalter sind das LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege im Rheinland, Außenstelle Titz und die Stiftung zur Förderung der
Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier.
Diese mittlerweile überregional bekannte Einrichtung zieht jedes Jahr aufs Neue etliche Gäste an – wo sonst können große und kleine Hobby-Archäologen ihren Vorbildern über die Schulter gucken und Ausgrabungen direkt miterleben? Mitmachen und Ausprobieren stehen seit Jahren auf dem Programm, das auch die Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt.
Auf dem Gelände der Außenstelle in Titz werden unter anderem aktuelle, noch unbekannte Funde der Archäologie präsentiert. Diesjähriges Highlight ist eine im Januar gefundene Jupitergigantensäule aus dem Tagebau Inden. Die fast 3 m hohe Säule aus dem frühen 3. Jh. n. Chr. ist nahezu vollständig erhalten und von einmaliger Qualität. Zudem ist das Motiv des reitenden Jupiters im Rheinland anders als in Südwestdeutschland äußerst selten. Typischerweise wird die oberste Gottheit hier als thronende Figur dargestellt. Gäste können weiterhin die Bergung des Inhalts römischer Steinurnen hautnah mitverfolgen. In einem experimentellen Nachbau wird gezeigt, wie man sich eine Birkenpechdestille vorzustellen hat, die als älteste Herstellungstechnik steinzeitlichen Klebstoffes in Europa gilt und bei Inden-Altdorf gefunden wurde. Außerdem werden erste Ergebnisse der Grabungen am mittelalterlichen Neuwerker Hof aus Otzenrath im Tagebau Garzweiler vorgestellt. Die Kooperation zwischen Archäologie und Naturwissenschaften durch Studenten der RWTH Aachen und weitere laufende Projekte der Archäologiestiftung geben einen Einblick zum Stand der aktuellen wissenschaftlichen Forschung. Das Archäobotaniklabor der Kölner Universität präsentiert mit dem Mikroskop Pollen und Makroreste auf anschauliche Weise. Restaurierungstechniken an Metall und organischen Stoffen erläutern Experten des LVR-LandesMuseum Bonn.
Über den weiteren Fortschritt der rheinlandweit einzigen eisenzeitlichen Hofanlage nach einem Grabungsbefund kann man sich auch in diesem Jahr informieren und außerdem Fladenbrote aus dem nachgebauten Lehmkuppelofen probieren oder Speisen nach römischen Rezepten genießen. Vorführungen in der historischen Schmiede und Töpferarbeiten aus Langerwehe begeistern die Zuschauer.
Außerdem erleben sie:
Mehlherstellung mit keltischen Mahlsteinen
Garten mit eisenzeitlichen Pflanzen
Kochen im Tontopf an offener Feuerstelle
Keramikproduktion im Feldbrandofen
Knochenschnitzerei und Tauschierung
Wachstafelherstellung – Schreiben zur Römerzeit
Römische Glasproduktion
Antike Modenschau
Verkauf von archäologischen Fachbüchern und Repliken
Vorführung archäologischer Filmdokumentationen
Damit auch Kinder nicht zu kurz kommen, stehen eine Junior-Archäologen-Ausgrabung, antike Spiele, Modellierarbeiten mit Ton und ein Ballonwettbewerb auf dem Plan.
Auch in diesem Jahr geht es am Tag der Archäologie mit kostenlosen Pendelbussen direkt an die Abbaukante einer Grabung im Tagebau Hambach zur Besichtigung eines linearbandkeramischen Dorfes aus der Zeit um 5.000 v. Chr. Zu sehen sind außerdem neben den Spuren eines seltenen neolithischen Gräberfeldes – erst dem vierten dieser Zeitstellung im Rheinland - auch ein ebenso alter Brunnen in 8 m Tiefe. Er kann erst später ausgegraben werden, wenn der große Schaufelradbagger das Erdreich weitläufig entfernt hat. Dendrochronologen der Universität Köln geben dazu einen anschaulichen Einblick in ihre Arbeit.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.archaeologie-stiftung.de