
Im Rahmen des vom Land Schleswig-Holstein und dem Kreis Dithmarschen unterstützten Projektes „ARCHAEUM – Ausstellungs- und Bildungszentrum zur Archäologie und Umweltgeschichte der Westküste von Schleswig-Holstein“ werden im Außengelände des Archäologisch-Ökologischen Zentrums Albersdorf (AÖZA) seit Ende 2009 mehrere Bereiche zur Steigerung der Attraktivität, aber auch zur Erweiterung des pädagogischen Angebots neu gestaltet bzw. neu eingerichtet (vgl. dazu ANTIKE WELT 2/2003, 129 ff.).
Auf wissenschaftlicher Grundlage entstehen dabei in enger Zusammenarbeit mit dem Ökologie-Zentrum der Universität Kiel und AGIL, dem Lüneburger Büro für angewandte Archäologie, neue Stationen, die den Besuchern auf anschauliche und praktische Weise das Thema „Leben in der Steinzeit“ nahe bringen. Die Neuanlagen im Außengelände dienen allesamt der Verbesserung der praktischen Möglichkeiten des Besuchers zur Wahrnehmung der Mensch-Umwelt-Beziehung in Vergangenheit und Gegenwart. Das gesamte Projekt soll Mitte 2011 abgeschlossen sein, aber auch im Jahr 2010 konnten bereits viele Arbeiten umgesetzt und fertiggestellt werden:
Der Siedlungsplatz soll um zwei neue Steinzeithäuser nach den Vorbildern der bei Kiel gelegenen Fundplätze von Rastorf (Frühneolithikum) und Flintbek (Spätneolithikum) erweitert werden. Eines der Gebäude wird als eingerichtetes Steinzeithaus einen interessanten Einblick auf das häusliche Leben vermitteln, während das andere als Multifunktionshaus, z. B. für Übernachtungen von Gruppen und/oder Familien mit Kindern dienen kann.
Drei Info-Pavillons in Form von ca. 4 x 4 m großen Hütten laden den Besucher nicht nur dazu ein, interessante Informationen über die vor Ort sichtbaren Spuren der Landschaftsgeschichte zu erfahren, sondern auch bei schlechtem Wetter oder zu einer Picknickpause zu verweilen.
Mit Hilfe eines Audio-Guide-Systems für das AÖZA-Gelände werden künftig den großen und kleinen Besuchern altersspezifische Informationen in Form von Einspielungen geboten, die auch eine Auswahl verschiedener thematischer Rundwanderwege beinhalten.
Der Bau eines Zaunes, teilweise als „lebender (Busch-)Zaun“ ist wesentlich für die Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit des AÖZA und gleichzeitig eine partielle Abgrenzung des AÖZA-Geländes nach außen. Es sind mehrere Eingänge in Form von Drehkreuzen vorgesehen, die mit Hilfe eines Chip-Systems bedient werden. Geplant ist diese, auch aus Versicherungsgründen wichtige Umzäunung, im Bereich vom Empfangsgebäude am AÖZA-Parkplatz über das Steinzeitdorf bis hin zum nördlichen Waldbereich. Eine Einzäunung des gesamten AÖZA-Geländes ist dagegen nicht vorgesehen. Die (kosten)freie Nutzbarkeit des Steinzeitparks als Naherholungsgebiet und Naturerlebnisraum bleibt somit weiterhin bestehen.

Leben im Albersdorfer Steinzeitdorf. (Foto: AÖZA, Albersdorf)
Die Anlage eines „archäologischen“ Naturspielplatzes (z. B. mit einer Kletteranlage, einer „Wolfsfanggrube“, mit aus Steinen und einem ausgehöhlten Klangbaum bestehenden Klangstationen, einer „Tierweitsprunggrube“ mit Angabe der Sprungweite verschiedener Tiere und einem „Expeditionsauto“) ist am AÖZA-Parkplatz geplant. Hier soll auch ein Ausgrabungsbereich für Kinder fest installiert werden, in welchem „archäologische“ Strukturen wie Feuerstellen und kleine Funde wie Keramikscherben mit Handschaufel und Sieb entdeckt werden können.
Für das Fahren mit mindestens drei Einbäumen soll ein ca. 400 m² großer und ca. 1 m tiefer Teich angelegt werden. Zukünftig wären dadurch sogar „Steinzeitliche Einbaumrennen“ möglich.
Eine als „Erosionssimulation“ bezeichnete Konstruktion an einem Hang soll im südöstlichen Randbereich des Steinzeitdorfs angelegt werden. Hier werden die durch bodenkundliche Forschungen nachgewiesenen Abtragungsphänomene der Steinzeit und des Mittelalters anschaulich dargestellt, so dass sie auch von Kindern nachvollzogen werden können. Hier wird es auch die Möglichkeit eigener Aktivität für Groß und Klein in Form von Bewässerungsexperimenten mit einer Brunnenpumpe geben.
Bei den vorgesehenen Rekonstruktionen steinzeitlicher Grabformen handelt es sich um Anlagen, die im AÖZA-Gelände nicht im Original vorhanden sind, die aber aus der Jungsteinzeit überliefert sind. Konkret handelt es sich dabei um frühe Langbetten in Holzbauweise sowie um Erd- und Brandbestattungen. Ein Großsteingrab soll darüber hinaus im Zustand der Erbauung gezeigt werden.
Ein begehbarer Grabhügel ist auf halbem Weg zum Steinzeitdorf geplant. Hier werden Einblicke in eine bronzezeitliche Bestattung mit Baumsarg und entsprechenden Beigaben möglich sein. An zwei Stellen sollen bekleidete Figuren mit bronzezeitlicher Kleidung aufgestellt werden, die per Audioguide über ihr Leben in der Bronzezeit berichten.
Neben den bereits genannten Maßnahmen sind weitere Neuanlagen vorgesehen, dazu gehören u. a. die Errichtung eines kleinen „Kulthauses“ vom Typ Tustrup im Steinzeitdorf, das auch als Vorlage für die Info-Pavillons dient, sowie der Bau einer steinzeitlichen Opferstelle (mit Bohlenweg, Holzplattform und Palisade) am neu anzulegenden Teich als faszinierende Aktionsstationen.
Dr. Rüdiger Kelm, Albersdorf
Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen
Bahnhofstr. 29
D-25767 Albersdorf
Öffnungszeiten: So 11-17, Di-Fr 10.30-17
Infos zum Außengelände des Steinzeitparks Albersdorf:
Öffnungszeiten 2011 vom 03. April bis zum 06. November:
Dienstag - Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr
www.archaeum.steinzeitpark-albersdorf.de
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