Verlag Philipp von Zabern


Internationale Tagung von „ FemArc – Netzwerk archäologisch arbeitender Frauen“ in Kooperation mit dem DAI Berlin

Mädchen im Altertum

Tuts Vorkammer
Mädchen im Altertum - ihrer Stellung in der Gesellschaft und den archäologischen sowie historischen Zeugnissen dieser geht eine Tagung in Berlin vom 8. bis 10. Oktober 2010 nach (Das vollständige Poster finden Sie am Ende des Beitrags).

Mädchen, Mädchen... Von "Girl Power" und "Girl's Day" ist heute die Rede, wenn vom erstarkten Selbstbewusstsein junger Frauen und ihrer gezielten Förderung gesprochen wird. Doch wie war es um das Leben der Töchter in der Antike bestellt? Dieser Frage geht "Mädchen im Altertum" vom 8. bis 10. Oktober 2010 nach. Die Tagung widmet sich interdisziplinär den Mädchen im Altertum, von der Steinzeit bis in die Spätantike, innerhalb eines geographischen Rahmens, der von Europa bis nach Ägypten und dem Alten Orient reicht.

Wissenschaftliche Forschung zu Mädchen ist rar, wie Claudia Mitchell und Jacqueline Reid-Walsh im Vorwort ihres Werkes Girl Culture. An Encyclopedia (C. A. Mitchell – J. Reid-Walsh [Hrsg.], Girl Culture. An Encyclopedia [Westport, Connecticut – London 2008] xv–xix.)konstatieren. Das gilt nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Antike. Aus diesem Grund entschloss sich das »Netzwerk archäologisch arbeitender Frauen«, in Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut eine Tagung zu Mädchen im Altertum zu veranstalten. Eine Tagung mit vergleichbarer Themenstellung hat bisher noch nicht statt gefunden.
Als »Mädchen« gelten weibliche Kinder und Jugendliche, die noch nicht den Status einer Erwachsenen erlangt haben. Dieser Status wird in unserer Gesellschaft aus juristischer Sicht mit Vollendung des 18. Lebensjahres erreicht, aus soziologischer Sicht etwa mit der ökonomischen Unabhängigkeit (Berufseinstieg) oder der biologischen Reproduktion (eigenen Kindern). Für die Gesellschaften des Altertums wird man als Arbeitshypothese davon ausgehen können, dass der rite de passage vom Mädchen zur Frau in den meisten Fällen mit der Hochzeit identisch war. Ausnahmen wie beispielsweise die gelegentliche Auffassung von Sklavinnen als per definitionem unmündigen, »mädchenhaften« Menschen bestätigen diese Regel und werden auf der Tagung gleichfalls thematisiert. 
Die Tagung spricht für das Thema „Mädchen“ in jeder Kultur, auch der unsrigen, wichtige Punkte an: 
  • Geburtenplanung und eventuelle gezielte Tötung von Mädchen: Wie lässt sich das im archäologische Befund fassen bzw. gibt es entsprechende literarische Quellen?
  • Herausbildung der Geschlechtsidentität: Ab welchem Alter wird Kindern eine Geschlechtsidentität zugeschrieben und auf welche Weise geschieht das?
  • Materielle Kultur und soziale Praktiken: Was lässt sich anhand der Zeugnisse rekonstruieren zum täglichen Leben der Mädchen, zu ihren Kleidern oder Spielsachen, ihren Tätigkeiten und Handlungsspielräumen, aber auch zu ihren eigenen Gedanken, Vorstellungen, Wünschen?
  • Diskurse zu und über Mädchen: Was dachten die anderen Mitglieder der Gesellschaft über Mädchen, wie sah die Vorstellung vom vorbildhaften Mädchen aus, was war Mädchen auf keinen Fall erlaubt?
Die meisten Vorträge behandeln entweder Zeugnisse zu den realen Lebensumständen von Mädchen oder Zeugnisse zu gesellschaftlichen Diskursen über Mädchen. Einige fokussieren auf den Statuswechsel vom Mädchen zur Frau oder thematisieren explizit die frühe Herausbildung der Geschlechtsidentität beziehungsweise deren eventuelle absichtliche Verkehrung ins Gegenteil. 

Bei der Gestaltung des Programms wurde darauf geachtet, einen möglichst breiten Überblick über verschiedene Aspekte des Mädchen-Seins zu geben. 
Es ist geplant, die Tagung zu publizieren. Da der daraus entstehende Band aufgrund der bisher fehlenden übergreifenden Behandlung des Themas Handbuchcharakter haben wird, haben wir uns entschlossen, auch eine Reihe von Beiträgen aufzunehmen, die bei der Tagungsplanung nicht berücksichtig werden konnten.

Ein Abendvortrag von Nancy Sorkin Rabinowitz, einer der profiliertesten Vertreterinnen der US- amerikanischen klassischen Altertumswissenschaften zum Thema „Tragedy’s Heroines as Girls” wird das Programm abrunden.

Zur Teilnahme bitten wir um eine kurze Anmeldung bei Dr. Susanne Moraw (DAI Berlin): smo@dainst.de oder bei Dr. des. Anna Kieburg: a.kieburg@web.de


Link zum vollständigen Programm und zu den Abstracts:
http://www.dainst.de/index_4278227d253714c76145001c3253dc21_de.html
                                                                                                                                                                                         
 
 
Mädchen im Altertum / Girls in Antiquity
Internationale Tagung von „ FemArc – Netzwerk archäologisch arbeitender Frauen“ in Kooperation mit dem DAI Berlin
08.-10. Oktober 2010

Veranstaltungsort
Haus des Exzellenzclusters Topoi -
The Formation and Transformation of Space and
Knowledge in Ancient Civilisations
Hittorfstr. 18
D-14195 Berlin
 
Mädchen im Altertum