Verlag Philipp von Zabern


Mäzenatentum in der ANTIKEN WELT

Maecenas – Förderer und Forderer

Tuts Vorkammer

Wer Geld besitzt, wird auch häufig darum gebeten. Das war schon bei den alten Griechen und Römern so. Sponsoren werden damals wie heute immer wieder gesucht: Ob es sich um die Ausstattung eines Fußballteams handelt oder aber um den Bau einer Kultureinrichtung. Welche Möglichkeiten vom Kultursponsoring bis zur Privatfinanzierung es in der Antike gab, wird in der neuen ANTIKEN WELT ans Licht gebracht.
Maecenas, der Namensgeber des späteren Mäzenatentums, förderte mit seinen Zuschüssen beispielsweise Schriftsteller wie Horaz und Vergil.

Als der Urvater des Mäzenatentums wird Maecenas heute immer wieder erwähnt, wenn es um Kulturförderung geht. Dabei erscheint der Zeitgenosse des Augustus zwar als großzügiger Patron der Talente seiner Zeit, doch wird seine Art der privaten Einzelförderung als überholt bezeichnet: Unsere Zeit erfordert ein Kulturmanagement mit einem Netzwerk von Sponsoren mit neuartigen Fördermaßnahmen.

Maecenas war jedoch keineswegs nur ein reicher Kunstfreund, vielmehr hat er die augusteische Epoche in Rom aktiv mitgestaltet. Interessant ist er schon von seinem Ursprung her - er ist Etrusker. Gaius Cilnius Maecenas aus Arretium (Arezzo), also aus der Toskana, dem Land der Etrusker. 

Maecenas atavis edite regibus - Maecenas, uralter Könige Spross - So beginnt Horaz seine ihm gewidmete Odensammlung. Trotz seiner edlen Abstammung verkehrt er aber von Gleich zu Gleich mit seinen Dichtern, auch mit einem Horaz, dessen Vater ein Freigelassener, ein ehemaliger Sklave war!

Gaius Cilnius Maecenas (wohl um 70/65 v. Chr. geboren) gehörte zum Freundeskreis des jungen Octavian, des Großneffen von Julius Caesar, der nach dessen Ermordung an den Iden des März 44 v. Chr. sein schwieriges politisches Erbe antrat. Aus Treue zu seinem Freund zog Maecenas mit ihm in die Schlachten, seine Stärke bestand aber in einer tatkräftigen Diplomatie. Er vermittelte zwischen den politischen Rivalen Octavian und Marcus Antonius: Eine solche Mission bildet den Hintergrund von Horazens Gedicht von der Reise nach Brundisium, bei der Maecenas statt eines Stabes von Militärs und Beamten Dichter mitnimmt: Horaz und Vergil, sozusagen als Friedenstauben.

In unruhigen Zeiten hält er die Ordnung in Rom aufrecht; er agiert als kluger, geschickter Vermitter, aber auch mit Durchsetzungskraft, mit einer Art von elastischer Strenge. Caesaris dextera, vigil urbis, die rechte Hand des Caesar Octavian, Wächter der Stadt, wird er rühmend genannt. Als Octavian, der künftige Augustus, als Sieger zurückkehrte, verhinderte Maecenas, besonnen und zurückhaltend, das befürchtete große Aufräumen mit den politischen Gegnern in Rom. Er bleibt zeit seines Lebens eine Stütze der Regierung, ohne Amt, als eine Art grauer Eminenz, dankbar anerkannt von Augustus.

Das augusteische Rom entstand also unter tatkräftiger Mitwirkung des Maecenas, des Nachfahren etruskischer Herrschergeschlechter. Die Förderung der Literatur aber entsprach seinem Wesenszug als Ästhet, der das Schöne, den Luxus, das Feine bis beinahe hin zur Dekadenz liebte. Schon die Zeitgenossen haben sich gewundert über die gegensätzlichen Charakterzüge des Maecenas.

Solange die Umstände seine Wachsamkeit erforderten, zeigte er sich umsichtig und tatkräftig. Sobald er aber in seinen anstrengenden Geschäften etwas nachlassen konnte, verströmte er sich in mehr als weibischer Art in Muße und Wohlleben. (Velleius Paterculus)

Man mag bei dieser Freude am Schönen und Verfeinerten, die so merkwürdig, so unrömisch wirkte, an die etruskischen Sarkophage denken, auf denen vornehme Männer und Frauen in gelassener Haltung wie zum Bankett gelagert sind, mit Blumenkränzen um den Hals und einer Trinkschale in der Hand: eine luxuriöse, kultivierte Lebensart.

Maecenas besaß auf dem Esquilin ein prächtiges Haus mit einem Park, in dem es sicher für seine Dichter Quartiere gab, wenn sie in Rom weilten. Er schrieb auch selber, Verse und Prosa, freilich in einem ganz anderen Stil als die Poeten, die er anregte, in jener preziösen, verfeinerten Art seines Luxuslebens. Diese Art war aber seine "Privatkunst", die zwang er niemandem auf.

Er konnte von sich absehen und sich dem Anderen vorurteilslos und generös zuwenden. Die beiden Dichter Horaz und Vergil waren zwei der geförderten Poeten des Maecenas. Horaz schätzte sich glücklich, Maecenas nicht nur zum Förderer, sondern auch zum Freund zu haben. Sein kleines Gut in den Sabinerbergen, das Geschenk des Maecenas, gewährte ihm die nötige dichterische Freiheit.

Vergil wurde nach dem Abschluss seiner Hirtengedichte, der Eklogen, von Maecenas ermuntert, etwas Neues in Angriff zu nehmen. Eben darin lag die Kunst des Maecenas: Er sah, wann ein Poet mit etwas Neuem beginnen, zu neuen Ufern aufbrechen musste, und er unterstützte ihn dabei, ja er drängte ihn auch. Das war für die Dichter selbst bisweilen unbequem, sie ruhten sich gern auf ihren Lorbeeren aus oder trauten sich das Neue nicht zu. Aber Fördern ist Fordern! Im Falle Vergils hieß das: In seiner Hirtenpoesie geht es nicht um das Traumland Arkadien, sondern um die italische Erde, geplagt und leidend unter dem jahrelangen Bürgerkrieg. Und dieses Land, das wieder zur gesegneten Erde, zur Saturnia tellus, werden soll, ist das Thema von Vergils nächstem Werk, das auf Anregung des Maecenas entsteht: Georgica – Vom Landbau. Freilich ist es dem Dichter öfters sauer geworden, sich das  nötige Fach- und Spezialwissen dafür anzueignen. Er befolge ja, sagt er tua, Maecenas, haud mollia iussa (III 40), dein gar nicht sanftes Geheiß. Haud mollia: gar nicht weich – Maecenas, der Luxus- und Genussmensch, der  etwas korpulent war, ist mollis ("mollig") – aber seinem Dichter gegenüber hart und unerbittlich!

Vergil war mit seinen Georgica auf dem Weg zum Epos, und das Thema lag sozusagen in der Luft: die großen Taten des Octavian-Augustus und seiner Vorfahren aus der Familie Julius Caesars, mit ihrem trojanischen Stammvater Aeneas.

Aber Vergils Aeneis zeigt keinen strahlenden Sieger, sondern einen Flüchtling, der unter Kämpfen und Mühen für sich und die Seinen ein neues Leben aufbaut, nichts von Glanz und Gloria. Nur als Zukunftsvision erlaubt der Dichter einen Blick auf die römische Herrschaft der Gegenwart, mit verpflichtendem Lob für den Nachfahren. 

Wäre Maecenas ein Propagandaminister oder gar Polizeichef gewesen, wie man früher bisweilen behauptete, dann hätte er Vergil gegenüber auf dem Plan eines nationalen Schlachtenepos bestanden. Doch er hat Vergil gewähren lassen, und Augustus zeigt sich auf seinem Friedensaltar nicht als Triumphator,  stattdessen sieht man ihn während er den Göttern opfert. 

Horaz bleibt dem Freund treu verbunden: Wenn das Schicksal ihn, Maecenas, die andere Hälfte seines Lebens, dahinraffe, dann würde er folgen:

Dir hat das erste Lied meiner Muse gehört, Maecenas, dir soll auch das letzte zu eigen sein.

Ende September 8 v. Chr. stirbt Maecenas; als Horaz ihm kurz darauf folgt, wird er neben seinem Grabhügel auf dem Esquilin bestattet.
Wie hat nun Maecenas seine Dichter gefördert? Er hat sie nicht nur finanziell unterstützt, er hat mit seinem persönlichen Engagement aus dem einzelnen Künstler das herausgeholt, was in ihm steckt, was er vielleicht selbst gar nicht ahnt, was ihm unbequem ist: tua haud mollia iussa - dein gar nicht sanftes Geheiß. Der Stifter muss ein An-Stifter sein, wie man gesagt hat. Auch modernes Sponsoring kann sich nicht auf einen Monatsscheck beschränken, es muss jemand geben, der sich persönlich einsetzt, der Ansprechpartner ist.

Wenn es nur Mäzene gibt - dann werden auch die Vergile nicht fehlen. (Martial)  

(Verkürzte Form eines Vortrags Maecenas – Freund und Förderer der Talente in Rom, Patron der Stifter in der Kester-Haeusler-Stiftung Fürstenfeldbruck, veröffentlicht ebd. 2000.)

 

Das könnte sie auch interessieren

  • ANTIKE WELT

    ANTIKE WELT

    Banker, Sponsoren, Finanziers: Diskussionen um eine ebenso effektive wie gerechte Finanzpolitik...
  • Römische Schriftsteller
  • Kulturgeschichte der Etrusker
  • Tivoli und die Villa Hadriana