Verlag Philipp von Zabern


Gesundheit war in der Antike Privatsache

Leben ohne Gesundheitsreform

Tuts Vorkammer
Starstich, Kupferstich

Jeder ist selbst für seine Gesundheit verantwortlich und wer mehr Geld hat, lebt länger? Wer hat noch nicht solche oder ähnliche Parolen im Zusammenhang mit der Diskussion über Krankenkassenbeiträge und Zweiklassenmedizin gehört? Dabei wissen wir Heutigen überhaupt nicht mehr, wie gut es uns mit der gesetzlichen Krankenversicherung geht. Denn nicht nur ein Blick über den Großen Teich in die USA, sondern auch einer in praktisch alle Epochen der Geschichte verdeutlicht, dass seit jeher die meisten Menschen von einer Absicherung im Krankheitsfall nur träumen konnten.

War jemand im antiken Griechenland und Rom krank, so ließ er einen Arzt kommen – und das kostete meist nicht gerade wenig Geld. Wer davon keins besaß, ging zum nächsten Scharlatan oder befragte die Weise Frau um die Ecke, deren auf Erfahrung basierendes Wissen nicht unbedingt schlechter sein musste als das „studierter“ Ärzte. Zwar gab es auch Spitäler, in denen die kranken Sklaven eines Herrn behandelt wurden, jedoch nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit – Sklaven waren für ihre Besitzer bares Geld wert, und dieses Geld wollte man nicht durch vermeidbare Krankheiten aufs Spiel setzen.

Doch – wie erfolgreich waren eigentlich die antiken Ärzte bei der Bekämpfung von Krankheiten und der Behandlung von Verletzungen? Selbstverständlich waren die meisten medizinischen Entdeckungen noch nicht gemacht worden und die Vorstellungen vom menschlichen Körper und seinen Lebensvorgängen waren bestenfalls rudimentär, auch wenn die sogenannte „Vier-Säfte-Lehre“ über Jahrhunderte bis in die frühe Neuzeit hinein Standard bleiben sollte. Schließlich setzten sich die antiken Ärzte mit all ihrer Kraft für ihre Patienten ein und hatten öfter als man rückblickend meint Erfolge. Der auch heute noch oft zitierte „Hippokratische Eid“, der aus der Zeit um 400 v. Chr. stammen soll, fasst das Ethos dieser Mediziner auf zeitlose Art und Weise zusammen.

Zwar waren die Kenntnisse über Anatomie gering, weil Leichenöffnungen mit einem religiösen Tabu belegt und verboten waren, doch konnte dies etwa durch den Dienst als Militärarzt umgangen werden: Diese begleiteten die römischen Legionen auf all ihre Feldzüge und erhielten dabei die Erlaubnis, gefallene „Barbaren“ zu sezieren. Darüber hinaus wurden sie mit allen Arten von Kampfverletzungen konfrontiert und erwarben so fundierte Kenntnisse über das „Innenleben“ der Soldaten. Verletzungen wie Knochenbrüche und Verstauchungen waren ebenfalls gut therapierbar, Operationen an der Tagesordnung, und der Starstich gehörte zu den Spezialitäten antiker Ärzte. Auch in der Kräuterheilkunde kannten sich Griechen und Römer sehr gut aus – die uns so geläufige Klostermedizin des Mittelalters baut darauf auf, bis hin zur heute wieder so beliebten „Hildegard-Medizin“.

Wieviel man heute noch über die Medizin der Antike weiß und wie deren berühmteste Ärzte lebten und wirkten, fasst in anschaulicher Weise das Buch „Ärzte in der Antike“ von Heike Achner zusammen.

- ARO -