Verlag Philipp von Zabern


Ein Blick in die Ausstellung "schuhtick"

Gesund, aber nicht elegant – Die Zehenkammerschuhe von Max Mannesmann

Tuts Vorkammer
Zehenkammerschuhe und -sandale von Max Mannesmann (Foto: Übersee-Museum, Ingo Wagner)

Schuhe, Schuhe, Schuhe! Der besonderen Beziehung des Menschen zu seiner Fußbekleidung widmet sich die Ausstellung "schuhtick", die bis zum 11. April 2010 im Überseemuseum Bremen gezeigt wird. Um Ihnen einen Vorgeschmack auf die Exponate der Schau zu geben, präsentieren wir Ihnen jede Woche ein neues Objekt der (Schuh-)Begierde:

1907 meldete Max Mannesmann beim Kaiserlichen Patentamt eine neue Erfindung an: Schuhwerk mit Zehenkammern. Ein Verkaufsschlager wurde dieser Schuhtyp, der - ähnlich wie bei einem Handschuh – ein eigenes Fach für jeden Zeh besaß, allerdings nicht. Ganz anders verhielt es sich mit einer anderen Erfindung von Max Mannesmann: Gemeinsam mit seinem Bruder entwickelte er das Mannesmann-Verfahren zur Herstellung von nahtlosen Stahlrohren. Diese Erfindung hatte die Gründung der erfolgreichen Mannesmannröhren-Werke zur Folge.

Max Mannesmann war begeistert von der Reformmode zur Jahrhundertwende, die einengenden Korsetts und hohen, engen Schnürstiefeletten den Kampf ansagte. Mannesmann war von den Vorteilen seines neuen Gesundheitsschuhs restlos überzeugt und verschenkte großzügig Probeexemplare, für die Damen sogar in einer Ausführung in Goldkäferleder. Die Empfängerinnen sandten ihm sehr höfliche Dankesschreiben, lehnten es aber ab, mit Zehenkammerschuhen und den entsprechenden Strümpfen über die Düsseldorfer Königsallee Reklame zu laufen.

Max Mannesmann selbst trug seine Zehenkammerschuhe überall, selbst in bester Gesellschaft. Aber er blieb der einzige. Damals konnte die Welt mit der neuen Erfindung noch nichts anfangen, heute jedoch gibt es die Zehenschuhe wieder auf dem Markt. Als Sportschuhe zum Laufen oder Klettern sind sie in den letzten Jahren vermehrt zu sehen gewesen.