
Kaum andere Herrscher haben es verstanden, sich so vollkommen darzustellen wie die römischen Kaiser. Sie ließen Rom geradezu pflastern mit Ihren Statuen. An jeder Ecke stand ein Abbild des Kaisers, allgegenwärtig. Doch nicht nur die Kaiser selbst, sondern auch ihre wetteifernden Anhänger stifteten Statuen oder Büsten, manchmal auch Triumphbögen oder Siegessäulen, als Zeichen ihrer Loyalität. Aber auch die Münzen trugen die Portraits der jeweiligen Kaiser, die den Büsten erstaunlich ähnlich waren. So konnte sich auch die Bevölkerung der Provinzen ein wenn auch vages Bild seiner Herrscher machen.
In der Ausstellung „Gesichter der Macht – Kaiserbilder in Rom und am Limes“ wird zunächst ein Vergleich zwischen der Darstellung römischer Kaiser und der heutigen Machtelite angestellt. So sieht man u.a. römische Kaiser in Militärkleidung unter ihren Legionären und daneben unsere Bundeskanzlerin, Frau Merkel, in Tarnschutzweste und olivfarbenen Oberteil zwischen ihren Soldaten in Afghanistan.
Anschließend werden zahlreiche Büsten römischer Herrscher von Cäsar (1. Jh. v. Chr.) bis Gallienus (3. Jh. n. Chr) präsentiert. Dabei fällt auf, dass z.B. Augustus und seine direkten Nachfolger sich immer als jungen Mann, also quasi alterslos darstellen ließen, um jugendlich und dynamisch zu wirken – genau wie bei den heutigen Politikern auf ihren Wahlplakaten. Erst später erhielten die Büsten wieder mehr individuelle Gesichtsmerkmale und wiesen damit mehr Ähnlichkeit mit ihrem Vorbild auf. Ließen sich anfangs die Kaiser noch glatt rasiert darstellen, so kam im Laufe des 2. Jhs. der Bart in Mode. Damit demonstrierte die Elite ihre Verbundenheit mit den griechischen Philosophen. Außerdem wurden Brustpanzer und Umhang mit Fibel als kaiserliche Insignien getragen, ein deutlicher Wandel der Kaiserbilder.
Der zweite Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den Provinzen des römischen Imperiums und dem römischen Militär. Es ist bekannt, dass auch die römischen Soldaten einen Kaiserkult betrieben haben und dass dies natürlich vom Kaiser gefördert wurde. War das Heer doch das Rückgrat der kaiserlichen Macht und manche Herrscher zeigten ihre Verbundenheit mit den Legionären durch Besuche der Truppen und Verleihung von Orden für besondere Tapferkeit. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auf Schwertscheiden oder Feldzeichen Abbilder von Kaisern finden lassen. Tragisch und aufschlussreich zugleich ist hierbei der Fund eines Feldzeichens aus dem Kastell Niederbieber, das im Jahr 259/260 n. Chr. von einfallenden Germanen zerstört wurde. Es zeigt wahrscheinlich den Kaiser Tiberius (34-37 n. Chr.) und belegt, dass sein Träger auch zwei Jahrhunderte später ein Fan des längs verstorbenen Kaisers war. Er fiel beim Angriff auf das Kastell und man fand seine Überreste im zerstörten Lager. Das Feldzeichen lag neben ihm.
Nicht immer erfreuten sich die Kaiser einer solch langen Verehrung. Es kam auch vor, dass ein Herrscher durch seine ausschweifende Lebensweise oder brutale Grausamkeit in Ungnade fiel. Nach seinen oft gewaltsam herbei geführten Tode verfiel er der „damnatio memoriae“, was soviel wie Verdammung des Andenkens bedeutet. Alle Abbilder von ihm in Rom und in den Provinzen wurden zerstört, seien es Portraits, Statuen oder Inschriften. Sie sind unkenntlich gemacht worden oder man schmolz beispielweise die Statuen ein. Und auch hier lassen sich Vergleiche mit unserer Zeit anstellen. Dasselbe Schicksal erlitten die meisten Bildnisse des irakischen Diktators Saddam Hussein nach seinem Sturz, wie Fotos in der Ausstellung belegen.
Wer die Ausstellung in Konstanz besuchen möchte, kann dies noch bis zum 10. August 2010 tun.
Kontakt:
Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg
Außenstelle Konstanz
Benediktinerplatz 5, 78467 Konstanz
Tel: +49 7531-9804-0
Öffnungszeiten:
Di – So 10.00-18.00 Uhr, montags geschlossen
Anfahrt:
Über die A 81 bis zum Singener Kreuz und weiter über die
B 33 nach Konstanz oder mit der Fähre von Meersburg nach Konstanz. Parkmöglichkeiten vorhanden.
Eintrittspreise:
5,-€; ermäßigt 4,- €; Familien 10,- €;
Schüler- und Jugendgruppen 0,50 € pro Schüler, 2 Begleitpersonen frei
Gruppenführungen auf Anfrage