Verlag Philipp von Zabern


Bemaltes Mauerwerk aus dem Neolithikum auf den Orkneyinseln gefunden

Farbige Jungsteinzeit

Tuts Vorkammer
Ein im Zuge der Ausgrabungen freigelegter Mauerstein. Reste der farbigen Bemalung sind deutlich zu erkennen (Foto: ORCA).

Auf der schottischen Brodgar-Halbinsel, Teil der größten Orkneyinsel Mainland, haben Archäologen kürzlich Mauerwerk entdeckt, das farbige Dekorationen in Rot-, Gelb- und Brauntönen aufweist.
In Großbritannien ist dies der erste Fund, der die Bemalung der Innenräume von Gebäuden schon in neolithischer Zeit belegt. Er beweist auch, dass farbige Gestaltung in dieser Zeit weitaus größere Ausmaße hatte, als bisher bekannt war. Dies gilt wahrscheinlich für den gesamten nordeuropäischen Raum.

Auf dem großen Ausgrabungsgelände Ness of Brodgar wurden durch das Orkney Research Centre for Archaeology (ORCA) in den letzten Jahren mehrere gemauerte Strukturen freigelegt, deren ursprünglicher Zusammenhang und Funktion noch diskutiert wird. Die farbigen Überreste von Wandmalereien kamen an den Mauern zweier verhältnismäßig kleiner Gebäude zum Vorschein. Interessant ist, dass nur einzelne Mauersteine im Inneren der Räume koloriert wurden. So zeigt z. B. einer der gefundenen Steine einen Anstrich aus mehreren Farben wie braun, rot und orange. Ein anderer Stein hingegen ist einfarbig rot gestaltet.

Sicherlich wird diese sporadische Bemalung kein Zufall sein, aber eine Deutung fällt schwer: Markierten die hervorgehobenen, farbigen Stellen ursprünglich besonders wichtige Gebäude oder Gebäudeteile, beispielsweise den Eingangsbereich?

Zudem konnte noch nicht festgestellt werden, ob sich diese Art der Malerei nur auf den Orkneys ausprägte oder ob es sich um ein weiter verbreitetes Phänomen handelt. Neue Funde und Forschungen tragen hoffentlich bald zur Klärung dieser Fragen bei.

Die Tatsache, dass sich die Farbe auf den Steinen bis heute überhaupt erhalten hat, ist bemerkenswert. Ihre Zusammensetzung wird noch untersucht, aber man geht davon aus, dass es sich um Hämatit, vermischt mit tierischen Fetten und vielleicht Milch oder Ei, handelt. Diese Mischung ergab eine pastöse Masse, die, wahrscheinlich mit ein wenig Wasser verdünnt, direkt auf den Stein aufgetragen wurde. 

 

– AW-Redaktion – 

Unsere Empfehlung: Lesen Sie zu diesem Thema auch die Ausgabe 4/2010 der ANTIKEN WELT – insbesondere S.15-17 (J. M. Beyer "Mit Blick auf das große Ganze"). 

 

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