
Ephesos – eine der ältesten, größten und wichtigsten griechischen Städte an der Küste Kleinasiens. Hier stand eines der Sieben Weltwunder der Antike: das Artemision von Ephesos – ein Tempel, so großartig und prächtig, dass er in ungläubiges Staunen versetzte. Bis in die Spätantike hinein behielt Ephesos seine Bedeutung und gehörte zu den bedeutenden Städten des Byzantinischen Reiches. Heute ist Ephesos reizvolles Ausflugsziel nahe des türkischen Selçuk und versetzt ob des Reichtums an Ruinen weiterhin in fast ungläubiges Staunen.
Diese Freundschaft begann vor knapp 30 Jahren noch als Student. Damals führte das Archäologische Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster unter der Leitung von Prof. Hans Wiegartz eine Exkursion in die Türkei durch. Das Land war zu dieser Zeit in weiten Teilen für Reisende noch nicht richtig erschlossen und dem Ganzen hing daher etwas Exotisches an.
Unter den zahlreichen bedeutenden Ausgrabungsstätten, die wir damals besuchten, bildete Ephesos – auch im Nachhinein betrachtet – einen Höhepunkt. Ephesos bedeutete dabei nicht allein das Ausgrabungsgelände, sondern beinhaltete auch Baudenkmäler in Selçuk: die gewaltige Johannesbasilika auf dem Ayasoluk-Hügel oder die Isa-Bey-Moschee, die damals noch in ihrem nicht renovierten Zustand zu sehen war. Zwar kannte jeder der Exkursionsteilnehmer die Stadt aus der Literatur und den Vorlesungen, doch nichts ist so eindrucksvoll wie die Wirklichkeit. Das lag aber auch daran, dass sich das Bild der Ausgrabungsstätte gegen Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zu wandeln begann: Man hatte gerade die Fassade der Celsusbilbiothek wieder aufgebaut und arbeitete an der Wiederherstellung des Mazaeus- und Mithridatestores. Die Hanghäuser am Embolos wurden großflächig ausgegraben. Neben dem so Offensichtlichen gab es damals in Ephosos längst nicht so viele Absprerrungen und man konnte die Denkmäler unmittelbarer erleben, als es heutzutage an vielen Stellen möglich ist.
Beeindruckt von dem, was ich bei dieser ersten Türkeireise in Ephesos gesehen hatte, besuchte ich die Ausgrabung in den folgenden Jahren immer wieder, teils mit kleineren, teils mit größeren Zeitabständen. Auch die Anlässe waren unterschiedlich. Zumeist waren es “normale Besuche”. Daneben gab es etwa Gelegenheiten, Ephesos aus einer gänzlich anderen Sicht kennen zu lernen. In lebhafter Erinnerung wird mir immer die “Cura Aquarum” bleiben, eine Tagung zur antiken Wasserwirtschaft, der ich mich seit meiner Dissertation verschrieben habe.
Aber jeder Besuch zeigte Veränderungen. Von Mal zu Mal stiegen die Zahlen der Besucher, die von den Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Kuşadası dorthin gebracht wurden. Und je mehr Besucher nach Ephesos kamen, umso größer wurden die Zahl der Verkaufsstände am Eingang und die Zahl der abgesperrten Denkmäler.
Aber es wäre falsch, nur von dem zu berichten, was einem perönlich nicht so gefällt. Positiv für den Besucher war sicherlich, dass im Laufe der Zeit an vielen Denkmälern Informationstafeln aufgestellt wurden. Dazu kam später die Einführung eines Audio-Führers, der es dem Laien möglich machte, ganz individuell sich mit dem Denkmal auseinanderzusetzen.
Aber auch für den Fachmann ließen sich positive Entwicklungen feststellen. War etwa der Hanghauskomplex insgesamt über lange Jahre hinweg nicht für Besucher zugänglich, so zeigt sich seit wenigen Jahren das Hanghaus 2 unter einem modernen Schutzbau in seiner ganzen Pracht: Mosaiken, Marmorböden und Malereien zeugen nun eindrucksvoll vom Wohnluxus der ephesischen Oberschicht.
All die Entwicklungen – seien die positiven oder negativen, die vergangenen oder zukünftigen – werden mich nicht davon abhalten, nach Ephesos zurückzukehren. Und immer wieder werde ich von Ephesos überrascht sein.
- Dr. Wolfram Letzner -