
Sie interessieren sich für Carl Richard Lepsius, können aber nicht vor Ort sein, um die Gedenkausstellung zu sehen? Kein Problem – folgen Sie uns einfach auf einem kleinen virtuellen Rundgang durch die Räume.
Ein bisschen streng schaut er ja schon drein – Carl Richard Lepsius empfängt seit Anfang Dezember die Besucherinnen und Besucher gleich im Foyer des Neuen Museums mit dem würdevollem Blick eines älteren Herren, eines Gelehrten in Talar und Orden und lädt sie in „sein“ Ägyptisches Museum ein.
Die Ausstellung „Wegbereiter der Ägyptologie“ begegnet dem Besucher derzeit eng verwoben mit der Dauerausstellung des Hauses – nicht zuletzt aus dem Grund, dass das Neue Museum selbst bereits ein Denkmal für den Universalgelehrten Lepsius darstellt, der ab 1865 das Amt des Direktors bekleidete. Nicht nur ein Großteil der bedeutenden Original-Objekte ist ihm zu verdanken. Auch als Museumsgestalter mit seinem Vermittlungs-Konzept und seinen Entwürfen zur Ausgestaltung der Wand- und Deckenmalereien setzte er neue Akzente für europäische Museen.
Wer in dieser kleinen Gedenkausstellung Schätze sucht, der wird sie bei näherem Hinsehen auch finden: In Lepsius’ wissenschaftlichen Leistungen, aber auch in den vielen von der Expedition stammenden Originaldenkmälern, die dem preußischen König durch Mohammad Ali Pascha zum Geschenk gemacht wurden.
Anlässlich Lepsius’ 200. Geburtstages wurden die rund 21 originalen Denkmäler und 5 Papyri innerhalb der Dauerausstellung in den Fokus des Betrachters gerückt. Sie tragen zu diesem Zweck das Signet der Sonderausstellung: Einen Abdruck von Lepsius’ verschollenem Siegelring, der seinen Namen in Hieroglyphen und das ägyptische Motiv der „Vereinigung der beiden Länder“ trug. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. schenkte als Anerkennung der überaus erfolgreichen Expedition nicht nur Lepsius sondern auch den weiteren Teilnehmern einen solchen Ring. Das Exemplar des Zeichners Ernst Weidenbach befindet sich im Mythologischen Saal.
Das Ausstellungssignet begegnet dem Besucher wie ein roter Faden überall im Haus – auf den Beschriftungs-Schildern der Expeditions-Objekte der Dauerausstellung, auf denen der neuen Objekte der Gedenkausstellung und auf den Informationstafeln, die in den wichtigsten Räumen des Neuen Museums Einblick in Lepsius’ Wirken geben.
Begibt sich der Besucher auf die Spurensuche durch das Neue Museum, dann wird er Carl Richard Lepsius als den vielseitigen Menschen erleben, als der er auch über die Ägyptologenwelt hinaus bekannt ist. Im Mythologischen Saal stehen die wichtigsten Publikationen des „Vaters der deutschen Ägyptologie“ im Vordergrund, wie unter anderem seine Beiträge zur Entzifferung der Hieroglyphen. Ein Glanzstück unter den Archivalien ist die erstmalig öffentlich ausgestellte Original-Ausgabe der frühen ägyptischen Grammatik von Jean-François Champollion mit persönlichen Randnotizen Lepsius’, das sich heute in Privatbesitz befindet.

Ausschnitt aus dem Mythologischen Saal, mit der Büste von C.R. Lepsius und Expeditions-Schauwand. (Foto: SMB Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Sandra Steiß)
In einem annähernd lebensgroßen Öl-Gemälde, das von seinem Sohn, dem Maler Reinhold Lepsius stammt, blickt der Ägyptologe und Archäologe Lepsius in den bisherigen Raum „Gott und Götter“ der archäologischen Promenade, der als Hauptausstellungsraum zu seinen Ehren dient. Ihm gegenüber thront ein weiteres Prunkstück aus den Depots des Ägyptischen Museums, das endlich dem Publikum präsentiert werden kann: Ein im 19. Jahrhundert detail- und maßstabsgetreu hergestelltes Pyramiden-Modell, gefertigt aus einem originalen Steinblock der Cheopspyramide, den Lepsius von seiner Expedition hatte mitbringen lassen.
Des Weiteren gruppiert sich im Raum in den Vitrinen all das, was für den Universalgelehrten in seinem Leben eine bedeutende Rolle spielte. Ausgestellte Sanskrit-Texte sowie ein Grabstein mit koptischer Inschrift, der vom Jubilar selbst nach Preußen gebracht wurde, geben Hinweise auf seine vergleichenden Sprachstudien. Lepsius’ Untersuchungen hinsichtlich der Ähnlichkeit zwischen ägyptischen und griechischen Säulen spiegeln sich in den gezeigten Kapitellen.
Als Universal-interessierter Mann verschloss sich Lepsius keinesfalls vor modernen technischen Entwicklungen. Im Vorfeld der Expedition informierte er sich intensiv über die zarten Anfänge der Fotografie und die verschiedenen Möglichkeiten, Bilder auf Papier zu bannen und später für wissenschaftliche Verbreitung zu vervielfältigen. Eine frühe Schiebekasten-Kamera steht stellvertretend für die von ihm vor der Reise erworbene Talbot-Kamera und Daguerreotypie-Kamera.
Weitere Glanzstücke des Raumes sind der Theodolit und die Camera Lucida, technische Instrumente mit denen die Zeichner und Architekten die Umgebung vermaßen, sehr präzise Pläne erstellten und Landschaft wie auch Denkmäler originalgetreu festhalten konnten. Anschaulich spiegelt das originale Feldskizzenbuch von Georg Erbkam die tägliche Arbeit wieder, die in die Dokumentation der Expedition einfloss und Vorlagen für die spätere Ausgestaltung des Neuen Museums gab. Ergänzend dazu gewähren in der Vitrine nebenan zwei originale Reisezeichnungen einen Einblick in die Lebensumstände während der drei Jahre in Ägypten: Expeditionsleiter Lepsius reitet hier in landesüblicher Tracht auf einem Dromedar, indessen Architekt Erbkam sich abends bei einer Zigarette im Zelt ausruht und in sein Notizbuch schreibt.
Für das Neue Jahr erwartet das Ägyptische Museum schließlich sogar gleich zwei Ehrengäste, die nach der Gedenkausstellung auch in die Dauerausstellung einfließen werden und für die zurzeit 1:1-Reproduktionen den Platz freihalten: Das vergöttlichte Königspaar Ahmes-Nefertari und Amenophis I. (1152–1145 v. Chr.). Lange Zeit schlummerten sie im Depot und müssen sich aufgrund von konservatorischen-klimatechnischen Problemen noch eine Weile gedulden, bevor sie ihren rechtmäßigen Platz unter den Herrscherinnen und Herrschern des Pharaonenlandes in den Hallen des Neuen Museums einnehmen dürfen.
- Christina Hanus, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung Berlin -
Ausstellungsinformation:
Wegbereiter der Ägyptologie. Carl Richard Lepsius. 1810-1884
3. Dezember 2010 - 20. März 2011
Neues Museum, Bodestraße 1-3, D-10178 Berlin
Öffnungszeiten: Mo-Mi, So: 10-18 Uhr; Do-Sa: 10-20 Uhr