Verlag Philipp von Zabern


Interview mit der Shakespeareexpertin Hildegard Hammerschmidt-Hummel zum Todestag des Dichters

Ein Sommernachtstraum

Tuts Vorkammer
Foto: Anna Corinna Hummel

Eine fast schon lebenslange Begeisterung für Shakespeare ist zu spüren, wenn man mit Hildegard Hammerschmidt-Hummel über den englischen Dichter, seine Werke und sein Leben spricht. Im Interview berichtet sie darüber, wie es zu dieser Faszination kam und welche Aspekte sie besonders interessieren:

Frau Prof. Hammerschmidt-Hummel, wie haben Sie Ihre Begeisterung für Shakespeare (getauft am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon, † 23. April 1616 ebenda) entdeckt?

Meine Begeisterung für Shakespeare geht auf die Schulzeit zurück. Im Englisch-Unterricht lasen wir Macbeth. Das Stück, die diametral entgegengesetzte Entwicklung seiner Hauptfiguren, seine grandiose Sprache und vor allem seine aufrüttelnde, dem ‘morality play’ des Mittelalters ähnelnde Botschaft, haben mich tief beeindruckt. Ich studierte dann Anglistik und Geschichte in Marburg und hörte u.a. bei dem Shakespeare-Forscher Horst Oppel und den Historikern Karl Christ und Helmut Beumann. Oppel wurde mein Doktor- und Habilvater.

Was hat Sie dazu bewegt, sich so intensiv mit diesem Schriftsteller auseinanderzusetzen? Welche Aspekte aus seinem Leben und seinem Schaffen fesseln Sie besonders?

Als ich Anfang der 1980er Jahre mit der Durchführung des DFG- und Akademie-Projekts “Die Shakespeare-Illustration” beauftragt wurde, ging es um Auf- und Ausbau sowie Edition des 1946 von Horst Oppel an der Universität Mainz gegründeten Shakespeare-Bildarchivs. 2003 konnte ich meine dreibändige Print-Version mit über 3000 Abbildungen vorlegen: Die Shakespeare-Illustration (1594-2000). 2008 wurde die vielfach vernetzte Web-Version der unveröffentlichten Bestände des Archivs mit über 8400 Bilddateien als neue Forschungseinrichtung an der Universitätsbibliothek Mainz öffentlich vorgestellt. Aus meinen Forschungen an Tausenden von bildkünstlerischen Werken zu Shakespeares Dramen ergaben sich - oft durch Zufall - zahlreiche faszinierende neue Fragestellungen: Existieren authentische Bildnisse des Dichters, für die er persönlich Modell saß? Wer war die Geliebte der Shakespeareschen Sonette? Welcher Religion hat Shakespeare angehört? Gibt es Vernetzungen von Zeit, Leben und Werk des Dichters? Und: Wie lässt sich Shakespeare politisch verorten? Um diese Fragen beantworten zu können, habe ich intensive Quellenstudien betrieben, bekannte Quellen immer wieder neu gelesen und in ihrem kulturhistorischen Kontext neu gedeutet, insbesondere aber an Orten gesucht, die vor mir vermutlich noch kein Shakespeare-Forscher zwecks Recherchen betreten hat, beispielsweise im Royal College of Surgeons in London, im Venerable English College in Rom, am ehemaligen Collegium Anglicum in Douai, in zahlreichen englischen Schlössern und Kirchen, darunter Hampton Court und St. George’s Chapel, Windsor Castle. Meine Funde habe ich stets in enger Zusammenarbeit mit Experten ausgewertet - dem zuständigen forensischen Sachverständigen des BKA, vielen Medizinern, Botanikern, Physikern, 3D-Ingenieuren, Kuratoren und Restauratoren, Kunst- und Kulturwissenschaftlern, Linguisten und Literaturwissenschaftlern.      

Was möchten Sie mit Ihrem Werk dem interessierten Leser vermitteln?

Dass es bei einem breit angelegten und vor allem transdisziplinären Forschungsansatz möglich ist, Neues zu entdecken.

 

Sie möchten mehr über Shakespeare erfahren? Lesen Sie auch den Beitrag von Frau Professor Hammerschmidt-Hummel über Shakespeares geheime Liebe zu seiner "Dark Lady" in unserem online-Magazin!