
Ab wann gab es Bauern und Siedler? Wie setzte sich die neue Gesellschaftsform unter den Jägern und Sammlern, die ohne festen Wohnsitz durch die Länder zogen, durch? Diesen und anderen Fragen rund um die Sesshaftwerdung des Menschen gehen die Autoren in der aktuellen Ausgabe der ANTIKEN WELT nach! In unserem Online-Portal nehmen wir Sie heute mit in die Welt der ersten Menschen, die in der Rheinebene ansässig wurden.
Der Kaiserstuhl am südlichen Oberrhein ist eine der sonnenreichsten und wärmsten Regionen Deutschlands. Das milde Klima und die ausgedehnten Lössböden begünstigten seit Jahrtausenden die Ansiedlung von Menschen. Dies lässt sich an den zahlreichen archäologischen Fundstellen vom Paläolithikum bis in die historischen Zeiten nachweisen. Aus diesem Grund steht diese Region seit über 100 Jahren im Brennpunkt der archäologischen Denkmalpflege.
Am Nordrand des Kaiserstuhls begann die Erforschung der Bandkeramischen Kultur, deren Name sich von der charakteristischen Verzierung der Tongefäße mit einem Bandmuster ableitet. Die Epoche der Bandkeramik zeichnet sich im Gegensatz zu dem Nomadentum durch den Prozess der Sesshaftwerdung aus. Während die Nomaden sich mittels Jagen und Sammeln ernährten, ging mit der Einrichtung der Siedlungen der Bandkeramiker ab etwa 5500 v. Chr. in Mitteleuropa der Getreideanbau einher. Im Jahre 1903 wurde erstmals in Bischoffingen, einer Gemeinde im Kaiserstuhl, die inmitten der oberrheinischen Tiefebene gelegen ist, ein Gräberfeld der Bandkeramik ausgegraben. Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden von hier immer wieder Funde von Ansiedlungen und Bestattungsplätzen gemeldet. Die topographische Lage für eine jungsteinzeitliche Siedlung an dieser Stelle bot gute Bedingungen: Ein kleiner Bach, fruchtbarer Lössboden, der einst mit einer Schicht Schwarzerde bedeckt war, und ein leicht nach Süden abfallender Hang.
Die Errichtung eines neuen Winzerkellers am Ortsrand von Bischoffingen - unweit der Fundstelle des Gräberfeldes - machte im Sommer 2010 die großflächige Untersuchung dieser vorgeschichtlichen Siedlungskammer notwendig. In der etwa ein Hektar großen Grabungsfläche konnten die Grundrisse von mindestens drei Häusern der Bandkeramik dokumentiert werden – eine Sensation, denn dies ist der erste Befund, der die Sesshaftwerdung des Menschen vor 7500 Jahren im heutigen Südbaden dokumentiert. Die Häuser entsprechen dem baulichen Kanon dieser Kultur: Vierschiffigkeit, die durch drei Reihen großer Pfosten im Inneren gebildet wird sowie ein Satteldach, das durch die Innenpfosten getragen wurde und mit Stroh oder Riet gedeckt war. Die Wände setzten sich aus Reihen kleiner Pfosten und einem Weidengeflecht mit Lehmverputz oder Spaltbohlen zusammen.
Der Lehm für den Putz der Wände wurde direkt an den Längsseiten der Häuser entnommen, so dass sich hier eine Grube bildete, die heute ebenfalls erhalten ist. Und Trotzdem unterscheiden sich die Häuser untereinander. Die Auswertungen werden zeigen, ob dies chronologische oder funktionale Gründe hat. Außerdem sollen Informationen ob der Größe und Dauer der Siedlung herausgefunden werden. Besonders betont werden darf, dass es sich um die ersten nachgewiesenen Hausgrundrisse der Bandkeramik im Breisgau handelt. Die Sesshaftwerdung im Kaiserstuhl hatte die Rodung der Wälder zur Folge, da Fläche für den Feldbau benötigt wurde. Durch die Abholzung bedingt, setzte ein Erosionsprozess eines benachbarten Berges ein, der in der Folge die 7000 Jahre alten Siedlungsspuren unter sich begrub, so dass die Befunde der Bandkeramik in den folgenden Jahrhunderten nur teilweise abgetragen wurden und geschützt blieben. In dieser bis zu 1,5 Meter mächtigen Überdeckung haben die Menschen der folgenden Bronzezeit sowie Hallstattzeit wiederum ihre Überreste hinterlassen.
– AW-Redaktion nach Dr. Andreas Haasis-Berner –
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