Verlag Philipp von Zabern


Die Faszination antiker Skulpturen

Edle Einfalt oder bunte Barbaren?

Tuts Vorkammer
Drei antike Grazien: Links präsentiert sich Phrasikleia im Original, wie sie im Athener Nationalmuseum zu sehen ist (Foto: Wikimedia/sailko); mittig in ihrer farbigen Rekonstruktion von Ulrike und Vinzenz Brinkmann (© Stiftung Archäologie, Foto: Vinzenz Brinkmann). Wer genau hinsieht kann auch auf dem Original von ungefähr 540 v. Chr. zahlreiche Farbspuren erkennen. Leichter fällt dies jedoch bei der "Berliner Göttin", einer marmornen Kore aus Keratea in Attika, die um 570 v. Chr. geschaffen wurde (© Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Gisela Geng). Hier ist die ehemals rote Fassung ihres Gewandes noch deutlich zu sehen.

Geht man heute in ein beliebiges Antikenmuseum, so ist man schier erschlagen von der Vielfalt an marmorweißen Bildnissen aller Epochen, die einen stumm anblicken und uns ihre Geschichte erzählen wollen. Weshalb sind sie entstanden und was können sie uns heute noch sagen? Wer ist dargestellt und wann wurde das Abbild geschaffen?

Die Antike kannte vielerlei Gründe, Bildnisstatuen zu errichten: Götter und Kaiser erhielten Kultbilder, bedeutende Politiker oder Wohltäter städtische Ehrenstatuen, Verstorbenen wurde durch Statuen und Reliefs gedacht. Aber auch zum Kunstgenuss reicher Mäzene dienten schon damals Statuensammlungen, oftmals auf ähnliche Weise zusammengetragen wie noch vor 200, 300 Jahren: mittels Kunstraub. So waren manche römischen Kaiser und Feldherren manische Sammler, die ihre Macht – und ihre Feldzüge in alle Teile des Römischen Reiches – zur Aufstockung ihrer Privatsammlung nutzten.

Doch – waren diese unzähligen Marmorbildwerke schon damals so unnahbar weiß wie heute? Offenbar nicht, denn wir wissen von spärlichen Farbresten auf einigen Stücken. Götterstatuten, Tempelgiebel und Grabsteine waren auf für heutige Augen provozierende Weise bunt, farbenreich – um nicht zu sagen kitschig. Besonderer Wert wurde auf die Wiedergabe von Haut, Haaren, Kleidern, Stoffmustern und Schmuckstücken gelegt, die möglichst naturnah dem Original ähnlich sein sollten. Warum aber ist diese mittlerweile unbestreitbare Tatsache für den heutigen Betrachter so revolutionär?

Seit fast 300 Jahren, seit den Tagen Johann Joachim Winckelmanns, des Begründers der Klassischen Archäologie, sehen wir die Skulpturen quasi mit seinen Augen. Farbreste waren damals noch nicht bekannt oder noch nicht nachzuweisen, sodass Winckelmann und seine Epigonen den ihnen fälschlich überlieferten, monochromen Eindruck für antike Realität hielten und daraus eine ganze Idealkultur der „Edlen Einfalt, stillen Größe“ konstruierten. Selbst der immer aufs Neue geführte naturwissenschaftliche Nachweis von Farben kann an unserer ererbten Sehweise nicht wirklich etwas ändern – wir bestaunen die „Bunten Barbaren“, wie eine Wanderausstellung zum Thema vor einigen Jahren hieß, als Exotikum und erfreuen uns weiterhin an den glattglänzenden, gut ausgeleuchteten marmorhellen Skulpturen der großen Museen der Welt. Warum auch sollte man ein so edles Material wie Marmor bemalen, mit bunten Farben „verunstalten“? Johann Joachim, wir haben unsere Lektion gut gelernt … und fast nichts ist so schwer zu verändern wie liebgewonnene Sehweisen.

- aro -

 

Ab dem 13. Juli 2010 sind die "bunten Götter" in Berlin zu bestaunen. Nachdem sie ihre Rundreise 2003 in München begonnen hatten, sind sie nun in der Hauptstadt angelangt:

 

Bunte Götter.
Die Farbigkeit antiker Skulptur

Besuchereingang

Pergamonmuseum

Am Kupfergraben 5
10117 Berlin


Telefon Information Museumsinsel Berlin +49(0)30 - 2090-5577
Bedingt Rollstuhlgeeignet: Zugang für Rollstuhlfahrer vorhanden.

Öffnungszeiten

Mo 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Di 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Mi 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Do 10:00 Uhr - 22:00 Uhr
Fr 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Sa 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
So 10:00 Uhr - 18:00 Uhr

Verkehrsverbindungen

U-Bahn U6 (Friedrichstraße)
S-Bahn S1, S2, S25 (Friedrichstraße); S5, S7, S75 (Hackescher Markt)
Tram M1, 12 (Am Kupfergraben); M4, M5, M6 (Hackescher Markt)
Bus TXL (Staatsoper); 100, 200 (Lustgarten); 147 (Friedrichstraße)