
Besuchen Sie heute mit Gerhard Binder die römische Stadt Tuder, das moderne Todi in der italienischen Region Umbrien. Folgen Sie den Spuren des Archäologen und Geistlichen Don Mario Pericoli und entdecken Sie die Überreste einer vergangen Zeit – ein Ausflug – in drei Teilen – in die Geschichte wartet auf Sie!
Mosaiken, Theater, Amphitheater
In Todi sind neben zahlreichen Inschriften auch mehrere qualitätvolle Mosaiken erhalten geblieben, schwarz-weiß und polychrom. Gut zugänglich sind in nächster Nähe zur Piazza del Popolo die Mosaiken mit geometrischen Mustern und floralen Motiven in der ehemaligen Sakristei der Kirche S. Quirico und im Erdgeschoss des Palazzo Petrucci (beide Via Ciuffelli Nr. 3). Todi besaß auch ein Theater und ein Amphitheater, beide aus der Zeit nach 42 v. Chr.; von diesen Bauwerken ist leider wenig erhalten. Das Theater lag östlich der Piazza del Popolo bei der Via Cesia, das Amphitheater am unteren Ende der mittelalterlichen Stadt bei der Kirche S. Niccolò de Criptis und der Porta Romana.
Der "Mars von Todi"
Der wohl berühmteste Fund aus Todi ist die in Hohlguss gefertigte Bronzestatue eines Kriegers vom Ende des 5. Jh., bekannt unter dem Namen "Mars von Todi". Die 141 cm große Statue wurde 1835 entdeckt, eingeschlossen in Travertinblöcke und damit Jahrhunderte lang fremdem Zugriff entzogen. Sie trug ursprünglich einen Helm sowie in der Rechten eine Schale, in der Linken einen Speer (Schale und Speer sind erhalten). Es handelt sich demnach um einen jungen Krieger beim Trankopfer für Erfolg im Kampf. Die umbrisch-etruskische Widmungsinschrift lautet: Ahal Trutiois dunum dede ("Ahala Trutius hat [diese Figur] gestiftet"). Das Original der Statue befindet sich in den Vatikanischen Museen, das Museo Civico in Todi zeigt eine Kopie.
Ad Martis
Mars-Heiligtum bei dem inschriftlich mehrfach belegten, zu Todi gehörenden Vicus Martis Tudertium. Man lokalisiert die Kultstätte am Ort der Kirche S. Maria in Pantano ("im Sumpf") südlich von Massa Martana. Der Sockel des Altartisches in der baugeschichtlich hoch interessanten Kirche trägt eine Inschrift, nach der die Bewohner des Vicus - Vicani Vici Martis Tudertium - den Stein zu Ehren der Matrone Severinia Afra für ihre und ihres Mannes Verdienste setzten. Beim Vicus Martis kreuzten sich die bedeutende, von Rom nach Rimini führende Staatsstraße Via Flaminia und eine Querverbindung zwischen Orvieto und Spoleto.

Inschrift für Severinia Afra in der Kirche S. Maria in Pantano (Foto: Gerhard Binder).
Don Mario Pericoli und die Katakombe
Der "Mars von Todi" führt uns zu dem etwa 15 km südöstlich gelegenen Vicus Martis Tudertium und damit zurück zu Don Mario Pericoli. Im Einzugsgebiet des antiken Vicus liegt die nach dem benachbarten Ort Villa San Faustino benannte ländliche Catacomba mit etwa 300 Grablegen. Allerlei Funde, darunter eine Münze aus dem Jahr 330 n. Chr., führen auf eine Nutzungszeit im 4. und 5. Jh. n. Chr. Die Katakombe hat einen etwa 22 m langen Hauptgang, der bis 7 m unter das Eingangsniveau reicht; von ihm gehen unterschiedlich lange, bis zu 4 m hohe Quergänge im rechten Winkel ab. Mehrere Reihen von Grablegen bzw. ‑nischen sind übereinander bis unter die Decke in die Wände eingelassen. Im Gegensatz zu den stadtrömischen Katakomben fehlt jeglicher Bildschmuck.
Die Katakombe war bereits im späten 17. Jh. einmal entdeckt worden; der Adlige Giuseppe Mattei aus Todi erwähnte sie 1691 in einem Brief unter dem Namen "Grotta Traiana", mit dem der Ort auch auf alten Karten bezeichnet ist. Danach geriet die Katakombe wieder in Vergessenheit, wurde aber von dem bekannten Archäologen Giuseppe Sordini aus Spoleto im Jahr 1900 auf einem internationalen Kongress in Rom wieder richtig lokalisiert. Don Mario Pericoli kannte Sordinis gedruckten Bericht: Die Wiederentdeckung der Katakombe und die neuen Ausgrabungen seit dem 10. Oktober 1940, die über die Entfernung des Schutts allerdings kaum hinausgingen, "si deve all'iniziativa del canonico di Todi Don Pericoli", heißt es im Merkblatt der zuständigen Pontificia Commissione di Archeologia Sacra. Die Kriegsereignisse verhinderten 1942 nach etwa 50 Arbeitstagen die Weiterführung der Arbeiten, über die im Merkblatt zu lesen ist: "Die Stützmauer am Eingang der Grotta und die eiserne Tür, die damals dort angebracht wurde, gingen auf Rechnung von Don Pericoli, während Don Telesforo [der Abt von Villa San Faustino] für die Verpflegung während der Arbeiten sorgte; das Arbeitsmaterial wurde vom Grundbesitzer Paris Giontella zur Verfügung gestellt."
Catacomba di Villa San Faustino (Foto: Gerhard Binder).
–Prof. Dr. Gerhard Binder–