
Besuchen Sie heute mit Gerhard Binder die römische Stadt Tuder, das moderne Todi in der italienischen Region Umbrien. Folgen Sie den Spuren des Archäologen und Geistlichen Don Mario Pericoli und entdecken Sie die Überreste einer vergangen Zeit – ein Ausflug – in drei Teilen – in die Geschichte wartet auf Sie!
Stadtmauern und Tore
Unweit von dem sog. Cracere di S. Cassiano ist ebenfalls zwischen S. Fortunato und S. Maria in Camuccia der Bogen der Porta Libera erhalten, des römischen Tores, durch das die westlich vom Tiber heraufführende Straße in die Stadt mündete. Im Camuccia-Viertel sind am Fuß vieler mittelalterlicher Häuser Quaderschichten von der römischen Stadtmauer erhalten, besonders augenfällig unterhalb der Kirche in der Via Mezzo Muro, in die man über die - ehemals ebenfalls römische - Porta Aurea gelangt. Die Via Mezzo Muro stößt an der Einmündung in den Corso Cavour/Via Roma auf die Porta Catena, ein ebenfalls jüngeres Tor mit Anschluß an die römische Mauer.
Todi, Römische Stadtmauer an der Via Mezzo Muro (Foto: Gerhard Binder).
Nur etwa 150 m oberhalb der Porta Catena steht an der Einmündung der Via S. Fortunato in den Corso die Porta Marzia, ein Tor des ersten, umbrisch-etruskischen Mauerrings: Mittelalterlich, gebaut mit Materialien des antiken Tores; der Name Porta Marzia nach dem Kriegsgott Mars, der uns in Todi und Umgebung noch einige Male begegnen wird. Besonders reizvoll ist die zierliche Renaissance-Balustrade mit Reliefs der französischen Lilie zu Ehren Ludwigs XIV., der dem Großgrundbesitzer Benedetto Laurenti den Titel eines Conte verliehen hatte.
Todi, Porta Marzia (Foto: Gerhard Binder).
Elegante Nischen: Die Nicchioni
Abseits der Porta Marzia liegt die Piazza del Mercato Vecchio mit den Nicchioni, einer ohne Mörtel gesetzten Mauer aus Travertinblöcken mit vier apsidenförmigen "Nischen": Die Nischen sind über 4,50 m breit und bis zum Scheitel des Bogens über 9 m hoch; das Bauwerk aus der zweiten Hälfte des 1. Jh. n. Chr. hatte ursprünglich eine Gesamtlänge von etwa 50 m (heute 42 m). Über den Nischen liegt auf die ganze Länge ein dorischer Fries, dessen Metopen mit Rindsköpfen (Bukranien), Schalen, Rosetten, Gorgonenhäuptern und Waffen reich dekoriert sind. Links und rechts werden die Nicchioni mit je zwei Pilastern abgeschlossen, die korinthische Kapitelle tragen. An die Stelle der Vermutung, es handle sich um den Rest eines (Mars-) Tempels, ist die Wahrscheinlichkeit getreten, dass die Nicchioni als Substruktionen für einen Monumentalbau, vielleicht einen Tempel, dienten - zu vergleichen mit denen des Fortuna-Heiligtums von Praeneste oder den - ebenfalls nicht klar einzuordnenden - Grandi Sostruzioni von Ocriculum (unterhalb von Otricoli an der Via Flaminia).
Todi, Nicchioni, Abschnitt des dorischen Frieses (Foto: Gerhard Binder).
Das ehemalige Forum von Todi
Weiter bergauf gelangt man über die Piazza Garibaldi zur Piazza del Popolo (Abb. siehe oben), dem ehemaligen Forum der römischen Stadt. Ausgrabungen haben größere Flächen der alten Pflasterung zutage gefördert, aus denen hervorgeht, dass das römische Forum erheblich größer war als der heutige Platz. Unter der Piazza befinden sich zwei große kaiserzeitliche Zisternen, bestehend aus neun bzw. zwölf unter einander verbundenen Kammern; sie dienten der Wassergewinnung, Kanalisierung und Drainage. Die Zugänge der Zisternen liegen in der Platzmitte bzw. - erst 1994 entdeckt - in der Südwestecke, gegenüber dem Palazzo dei Priori (zu sehen in der Tabaccheria). Die Piazza del Popolo wird im Norden durch den Dom S. Maria abgeschlossen, dessen Bau auf antiken Fundamenten ruht: Die Lage deutet auf das ehemalige Kapitol, das kultische Zentrum der Stadt. Zahlreiche Fundstücke aus etruskischer und römischer Zeit beherbergt das im Palazzo del Capitano und im Palazzo del Popolo untergebrachte Museo Civico: Bucchero- und Terra Sigillata-Gefäße, Figuren und Gegenstände aus Bronze, Spiegel, Münzen, Architekturstücke und anderes mehr.
–Prof. Dr. Gerhard Binder–