
Nach einer mehr als dreijährigen Schließung eröffnete eines der traditionsreichsten archäologischen Forschungsinstitute, das Deutsche Archäologische Institut in Rom, am 25. Januar 2010 seine Zwischenunterkunft. Dadurch wird der Forschungsgemeinschaft nach langen Jahren des Wartens endlich wieder der Zugang zur traditionsreichen Bibliothek und den umfangreichen Archiven ermöglicht.
Die Abteilung Rom des Deutschen Archäologischen Instituts geht auf das 1829 gegründete Instituto di Corrispondenza Archeologica zurück und bildet die Keimzelle des gesamten Deutschen Archäologischen Institutes (DAI). Als älteste archäologische Forschungsinstitution von europäischem Zuschnitt besitzt sie eine Bibliothek von weltweit zentraler Bedeutung, einer der größten spezialisierten Fotosammlungen in Italien und eine Fülle von Hilfsmitteln für die wissenschaftliche Arbeit. Doch zuletzt konnte die Abteilung Rom des DAI diesem Ruf nicht mehr gerecht werden. Mehr als drei Jahre waren die Räumlichkeiten in der Via Sardegna 79 nicht mehr zugänglich.
Nun endlich bezogen die 43 Mitarbeiter, die in Rom forschenden Stipendiaten sowie Gastwissenschaftler in der Via Curtatone 4D eine Zwischenunterkunft, welche die Wiederaufnahme der archäologischen Forschungen ermöglicht. Von der Abteilung aus werden mehr als 20 Grabungs- und Forschungsprojekte in Rom selbst, in Mittel- und Süditalien, auf Sizilien, sowie in Nordafrika (Tunesien) und Albanien betrieben. Neben Untersuchungen zu zentralen Bereichen in der Hauptstadt des Römischen Reiches, wie dem Forum Romanum, dem Marsfeld oder dem Palast des Nero, der sogenannten Domus Aurea, werden vom Haus Grabungen und siedlungsarchäologische Forschungen in Apollonia (Albanien), Albano, Castel Gandolfo, Fabrateria Nova, Metapont, Minturno, Selinunt und Syrakus betrieben. Im Jahre 2009 konnten außerdem, nach einer mehr als 10jährigen Pause, die Tunesien-Forschungen der Abteilung mit den bedeutenden Grabungen in Karthago und Chemtou wieder aufgenommen werden.
Die Bibliothek der Abteilung ist mit über 210.000 Bänden und 1895 Zeitschriften von weltweit zentraler Bedeutung für die archäologische und altertumswissenschaftliche Forschung. Daneben verfügt das Institut über eine der größten, auf archäologische Objekte und antike Topographie spezialisierten Fotosammlungen Italiens, sowie ausgedehnte Archive. Seit der Schließung Mitte September 2006 waren diese Einrichtungen nur sehr eingeschränkt, ab Juni 2008 gar nicht mehr für die internationale Forschergemeinschaft nutzbar.
Bei aller Freude über diese Zwischenlösung für das DAI Rom knüpft sich daran auch die Hoffnung, dass das eigentliche Institutsgebäude in der Via Sardegna 79 – wie geplant – bis zum Ende des Jahres 2012 vollständig saniert werden kann. Denn erst der Umzug in dieses mehr als doppelt so große Gebäude, wird den Betrieb wieder in vollem Umfang ermöglichen, vor allem aber die Bibliothek wieder in einer Weise zugänglich machen, die neben Tradition, Größe und interdisziplinärer Ausrichtung weit über die Grenzen Italiens hinaus als eine ihrer wesentlichen Qualitäten angesehen und geschätzt wurde. Nicht zuletzt hat dieser Verlust die internationale Gemeinschaft in den vergangenen Jahren in große Unruhe versetzt und nicht zuletzt ist es auch dem steten Druck dieser Gemeinschaft zu danken, dass die Zwischenunterkunft möglich durch Finanzierung durch das Auswärtige Amt, dem das DAI zugeordnet ist, wurde.
Die anlässlich der Eröffnung geplanten Feierlichkeiten begannen mit einem Festvortrag von Professor Hans-Joachim Gehrke, dem Präsidenten des DAI, im Odeion der römischen Universität La Sapienza. Es sprachen ferner Vertreter der Universität La Sapienza und der Direktor des Institutes, Professor Henner von Hesberg.
Am Nachmittag wurde der temporäre Sitz des Institutes durch Michael Steiner, den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Professor Hans-Joachim Gehrke und Professor Henner von Hesberg eingeweiht. Dabei sprachen außerdem der Generaldirektor der Archäologischen Abteilung des italienischen Kultusministeriums, Professor Stefano De Caro, und Professor Walter Geerts, der Präsident der Unione Internazionale degli Istituti di Archeologia, Storia e Storia dell’Arte in Roma.
- DAI -