
Schuhe, Schuhe, Schuhe! Der besonderen Beziehung des Menschen zu seiner Fußbekleidung widmet sich die Ausstellung "schuhtick", die bis zum 09. Januar 2011 im Landesmuseum Mainz gezeigt wird. Um Ihnen einen Vorgeschmack auf die Exponate der Schau zu geben, präsentieren wir Ihnen jede Woche ein neues Objekt der (Schuh-)Begierde:
Eine Kiste in Fußform mit hohem Schaft – so lautet eine Beschreibung des Postillionstiefels. Trotz ihres unförmigen Aussehens war diese Berufskleidung hervorragend an die Arbeitssituation der Postillione angepasst. Bei der Herstellung dieser Stiefel verwendete der Schuhmacher besonders schweres und grobes Leder. Anschließend erhitzte er den Schaft und bestrich ihn mit einer Mischung aus Wachs und Harz. Dadurch waren die Stiefel steif wie ein Stück Holz und vollständig wasserdicht. Mit dieser Ausstattung konnte der Postillion den Wagen auch vom Sattel aus lenken, und seine Waden waren bestens gegen die Stöße der Deichsel geschützt. Wenn der Postillion auf dem Kutschbock saß, musste er die Knie beugen können, weshalb die Stiefel eine an der Kniekehle ausgeschnittene Stulpe besitzen. Laufen hingegen konnte der Postillion in dieser starren Fußbekleidung nur schlecht. Aus diesem Grund behielt der Kutscher seine Straßenschuhe darin an, wodurch die kolossale Größe der Postillionstiefel zustande kommt.
Die Postillionstiefel erhielten auch die Bezeichnung „Siebenmeilenstiefel“. Die sieben Meilen stehen für die Entfernung zwischen zwei Poststationen. In zahlreichen Märchen werden den Siebenmeilenstiefeln magische Kräfte zugeschrieben. Im Märchen vom kleinen Däumling, heißt es, dass man darin mit einem einzigen Schritt sieben Meilen zurücklegen kann.
Heute trägt ein modernes Fun-Sportgerät die Bezeichnung Siebenmeilenstiefel: Die mit Federn versehenen gebogenen Schienen schnallt man sich unter die Füße und kann damit Sprünge bis zu 4 m Länge und 2 m Höhe vollbringen.