
Museen in aller Welt stellt die ANTIKE WELT ihren Lesern in jeder Ausgabe vor – im Internet präsentieren wir Ihnen nun Museen und weitere historische sowie kulturelle Einrichtungen im World Wide Web.
Rom, die ewige Stadt, die niemals schläft und das ganze Jahr über von Kulturinteressierten bevölkert wird – manch einer hat sich bestimmt schon mal einen exklusiven Besuch bei seinem Lieblingsdenkmal gewünscht. Der Vatikan ermöglicht nun auf seinen Internetseiten einen Aufenthalt in der sixtinischen Kapelle – ganz ohne andere Touristen, ohne störende Geräuschkulisse, so lange und wann man will!
Die Sixtinische Kapelle im Vatikan ist als Versammlungsort der Kardinäle bekannt und besitzt jenen Kamin, aus dem nach einer Papstwahl wahrscheinlich der bedeutungsvollste Rauch der Welt emporsteigt. Das Innere der Kapelle ist für seine Fresken auf den Längsseiten, Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, berühmt. Gemalt von den besten italienischen Künstlern ihrer Zeit wie Sandro Botticelli, Domenico Ghirlandaio, Pietro Perugino, Pinturicchio, Cosimo Roselli und Luca Signorelli. Die Decke mit Darstellungen aus der Genesis und das gewaltige Fresko des Jüngsten Gerichts an der Altarwand – beide geschaffen von Michelangelo – gehören wohl zu den bedeutendsten Gemälden der Welt. Wer die Malereien im Original betrachten will, muss einen langen Weg durch die Hallen der Vatikanischen Museen auf sich nehmen und teilt diesen mit vielen anderen Besuchern aus aller Herren Länder. Am Ziel angekommen, kann man nicht nach Herzenslust in der Hauskapelle des Papstes verweilen, sondern wird entsprechend der steigenden Besucherzahl vom Wachpersonal zum Gehen aufgefordert und gelegentlich mit einem mehr oder minder freundlichen «Silentio» zur Ruhe gemahnt.
All diesen Widrigkeiten kann man sich nun bei einem virtuellen Besuch der sixtinischen Kapelle entziehen. Auch wenn der heimische PC nicht Rom ist, vermitteln die Bilder einen gigantischen Raumeindruck der Kapelle, der von kirchlichen Gesängen untermalt wird. Dank der einfachen Steuerung lässt sich nach Lust und Laune in der Sixtina flanieren, indem man sich per Mausklick à la google street view bewegt und per Mausrad oder der +/- Buttons am linken unteren Bildrand hinein- oder herauszoomt. Die Technik erlaubt es, mit den Malereien auf Tuchfühlung zu gehen, wie es kein Aufseher erlauben würde und die Deckenfresken genau in Augenschein zu nehmen, wie es ohne Gerüst nicht möglich wäre. Der Betrachter steht dabei fest in der Mitte der Kapelle und kann in jede beliebige Richtung blicken, allerdings wird beim Zoomen die Perspektive, v.a. die der weiter entfernten Partien, nicht immer gewahrt.
Ein weiteres Manko der Internetseite ist zu gleich ihre Stärke: Sie lässt uns eintauchen in die Welt der italienischen Malerei am Ende des 15. und beginnenden 16. Jhs. n. Chr. und ermöglicht uns Blicke von großer Schärfe in Ecken und Winkel der Kapelle, die in Wirklichkeit nicht möglich wären. Der Besucher aber wünscht sich nähere Informationen zu den Malereien, deren Künstlern oder Entstehungszeit, die ihm die Homepage schuldig bleibt. Wie bei einem tatsächlichen Besuch empfiehlt es sich eine unterstützende Lektüre zur Hand zur nehmen. Die Qualität der Bilder und der Zauber der virtuellen Sixtina werden dadurch jedoch nicht geschmälert.
Bei einem Aufenthalt in Rom kommt man nicht umhin weitere Kirchen zu besichtigen, die in der Stadt so zahlreich und aus verschiedenen Epochen vertreten sind. Die bekannteste unter ihnen, ist zugleich die größte der katholischen Christenheit, Sankt Peter. Es gibt drei weitere Kirchen in Rom, die direkt dem Vatikan unterstehen – und genau hier lässt sich Ihre virtuelle Tour fortsetzen.
Sie zählen neben dem Petersdom zu den bedeutendsten Gotteshäuser der Katholiken und wenn sie auch nicht auf dem Areal des Vatikans liegen, werden sie direkt vom Papst verwaltet: San Giovanni in Laterano wurde im 4. Jh. n. Chr. unter Konstantin dem Großen gebaut und ist die eigentliche Kathedrale des Papstes – deshalb nimmt sie in der Rangliste der katholischen Kirchen die Stellung vor Sankt Peter ein. Als Konstantin 330 n. Chr. die kaiserliche Residenz nach Byzanz verlegte, ging der Lateran als Schenkung an den amtierenden Bischof von Rom. Bis zum Beginn des 14. Jhs. n. Chr. diente er als Sitz der Päpste, bis er bedingt durch das knapp 70-jährige Exil des Heiligen Stuhls in Vergessenheit geriet und der Papst sich schließlich Anfang des 15. Jh. n. Chr. zwar wieder in Rom, aber im Vatikan niederließ, wo er bis heute residiert. Verschiedene Umbauten, v.a. jene im barocken Stil durch den Künstler Borromini im 17. Jh. n. Chr., haben den konstantinischen Bau stark verändert.
Auch San Paolo fuori le mura gehört exterritorial zum Vatikanstaat, als Gedenkstätte für den Apostel Paulus errichtet, wird heute in der Kirche dessen Grab verehrt. Die Basilika aus dem 4. Jh. n. Chr. war bis zum Neubau von St. Peter die größte Kirche Roms. Der frühchristliche Bau wurde nach seiner Zerstörung im 19. Jh. in Anlehnung an die ursprüngliche Form und Größe wieder aufgebaut. Von der Kirche Santa Maria Maggiore gibt es ebenfalls eine digitale Version im Netz, ihr realer Bau geht auf eine päpstliche Stiftung aus dem 5. Jh. n. Chr. zurück. Sie gilt als die erste Marienkirche des Westens, da Maria seit dem Konzil von Ephesos 431 n. Chr. nicht mehr nur im Osten als Gottesgebährerin verehrt wurde. Zahlreichen Um- und Anbauten zum Trotz bewahrte sie den Eindruck des frühchristlichen Innenraumes, was v.a. den erhaltenen Mosaikausstattungen im Langhaus und der Apsisstirnwand aus dem 5. Jh. n. Chr. zu verdanken ist, die kleinteilige Szenen um Christus und Maria zeigen.
In diese geschichtsträchtigen Bauten hat die moderne Technik Einzug gehalten und ermöglicht uns die Kirchenbauten von zuhause aus zu entdecken. Entscheiden Sie sich bei einer Draufsicht auf die Kirchenanlage, in welchem Raumabschnitt sie sich im Innern wieder finden wollen und erkunden Sie diesen mit Hilfe der Maus. Wieder bestechen die Homepages bei einem digitalen Rundgang, der von der passenden Kirchenmusik begleitet wird, durch einen faszinierenden Raumeindruck und man wäre beinah geneigt einen Hauch Weihrauchduft in der Nase zu verspüren.