Verlag Philipp von Zabern


Die Ankunft der Exponate

Das Königreich der Vandalen 2

Tuts Vorkammer
Die Karlsruher Kuratorin Susanne Erbelding packt die Rekonstruktion eines 400 Kilo schweren Taufbeckens aus (Foto: Landesmuseum Karlsruhe)

Für die neue Sonderaustellung „Erben des Imperiums in Nordafrika – Das Königreich der Vandalen“ ist es dem Ausstellungsteam gelungen, wahre Schätze nach Karlsruhe zu holen, darunter großformatige Mosaike, kunstvolle Sarkophage und Inschriften.

Detlef Sippel blickt gespannt hinaus in den morgendlichen Schlosspark. Endlich, die beiden 40-Tonner biegen langsam um die Ecke des Karlsruher Schlosses. Den langen Weg von Karthago bis Karlsruhe haben sie hinter sich. Im Badischen Landesmuseum stehen Restaurator Sippel und seine Kollegen bereit, um die Fracht entgegen zu nehmen. Die Laderampe öffnet sich, gibt den Blick frei auf eng gepackte, braune Kisten, fest verzurrt an den Wänden des Frachtraums. Unscheinbar sehen die Transportboxen aus. Und doch bilden sie die Schutzhülle für fast 1500 Jahre alte Exponate von unglaublichem Wert.

In Tunesien hatten eine Woche zuvor die beiden Restauratoren Detlef Sippel und Nicole Freivogel sowie sechs Mitarbeiter einer Speditionsfirma alle Objekte sorgsam verpackt und dokumentiert: „Die Bedingungen waren etwas andere als hier in Deutschland“, sagt Sippel, der seit 23 Jahren als Metallrestaurator am Landesmuseum arbeitet. „Wir haben zum großen Teil unter freiem Himmel gearbeitet. Aufgrund von Umbauarbeiten im Bardo-Museum in Tunis konnten wir die ganz großen Objekte nur im Freien verpacken. Und das bei 40 Grad im Schatten!“ Rund 300 Exponate mussten für den Transport vorbereitet werden. „Wir haben jedes Objekt genau untersucht und mit Fotos dokumentiert. Damit protokollieren wir den Zustand und auch eventuelle Beschädigungen, bevor die Exponate zu uns kommen.“ Das Unternehmen, das die wertvolle Fracht zustellt, hat sich ganz auf Kunsttransporte spezialisiert. Ein diesmal nicht ganz einfaches Unterfangen: Einige der riesigen Mosaike und Sarkophage, die in Karlsruhe zum ersten Mal außerhalb Tunesiens zu sehen sind, wiegen bis zu 500 Kilogramm. „Dank der perfekten Vorbereitung hat alles reibungslos geklappt – bis auf den Zoll…“, sagt Nicole Freivogel. Dort wurden die Transporteure aufgehalten, zwei Tage lang. Gab es Probleme mit der Fracht? „Von wegen!“, sagt Sippel. „Wir standen einfach nur in der Warteschleife, bis wir endlich abgefertigt wurden. Es war Ramadan! Dann dauert’s in Tunesien einfach länger.“

In der Ausstellung bewegen die Männer die Objektkisten mit speziellen Kränen und Hubwägen. Richtig spannend wird es, als eines der schwersten Objekte, eine 400 Kilogramm schwere Nachbildung eines spätantiken Taufbeckens, ausgeladen wird. Spezialisten haben es in einer traditionellen Mosaikwerkstatt in Tunesien kunstvoll nach originaler Vorlage gebaut. „In der Ausstellung können wir dadurch zeigen, wie solche Taufbecken damals genutzt wurden – sie waren im Boden der Basiliken eingelassen!“, erläutert Susanne Erbelding, eine der beiden Kuratorinnen, den Grund für den aufwändigen Nachbau. Noch während die Kisten ausgepackt werden, treffen auch die Kuriere aus Tunesien ein. „Normalerweise sind beim Transport Kuriere der leihgebenden Museen mit dabei.“ sagt Erbelding. „Aber dank der langjährigen und guten Kooperation zwischen dem BLM und dem Institut National du Patrimoine, das in Tunesien für die Museen zuständig ist, hat man diesmal darauf verzichtet und auf unsere Restauratoren vertraut.“
Nach sechs Stunden konzentrierter Arbeit sind alle Transportkisten in den Sonderausstellungsräumen verstaut und die Lastzüge leer. „Ende Februar kommen sie wieder. Dann verpacken wir alle Objekte wieder und bringen sie zurück nach Tunesien.“

- Landesmuseum Karlsruhe -