
Die Vandalen kommen! – heute versetzt dieser Ausruf niemanden mehr in Angst und Schrecken. Dabei wurde das Kulturvolk der Vandalen stets zu Unrecht mit Zerstörung und Verwüstung gleichgesetzt. Die Große Landesausstellung 2009 in Karlsruhe zeigt sie deshalb in einem anderen Licht.
Lautes Hämmern ertönt im Karlsruher Schloss: In der Vorbereitungsphase zur Großen Landesausstellung „Erben des Imperiums in Nordafrika – Das Königreich der Vandalen“ sägen, bauen und streichen die Museumstechniker im Badischen Landesmuseums um die Wette. Das Team um Joachim Henrich, dem Leiter des Technischen Dienstes im Museum, hat nur sechs Wochen Zeit, um die vorherige Ausstellung „Jugendstil am Oberrhein“ abzubauen und alles für die neue Ausstellung vorzubereiten. „Beim Ausstellungsaufbau kommt es darauf an, dass alle Handwerker gut zusammenarbeiten. Bevor die Schreiner nicht die Wände komplett aufgebaut haben, können die Maler nicht beginnen – und so bedingt ein Arbeitsschritt den nächsten.“, sagt Henrich. Das sind wahre logistische Herausforderungen für den Architekten und sein Team. „Zwei Wochen vor Ausstellungsbeginn müssen wir fertig sein: Dann kommen die Kuriere mit den kostbaren Objekten und da darf natürlich keine Leiter mehr im Weg stehen oder ein Kabel zur Stolperfalle werden!“
Zwischen Kuratoren, Technischem Dienst, Restauratoren, Ausstellungsarchitekt und Leihgebern agiert Anna Krüger, Ausstellungskoordinatorin am BLM. Sie stimmt sich mit allen Beteiligten ab, erstellt Zeitpläne und bearbeitet Leihverträge. Mit dem Architekten bespricht sie den Grundriss der Ausstellung – natürlich nach den Vorstellungen der Kuratorinnen. Für jedes der über 400 Objekte muss sie vorher mit ihm den genauen Standort festlegen und je nach Abmessung die Platzierung in Vitrinen konzipieren. Außerdem sorgt Krüger dafür, dass bei empfindlichen Objekten bestimmte Bedingungen für Klima und Luftfeuchtigkeit eingehalten werden. „Ich finde es immer wieder spannend dabei zu sein, wenn eine komplett neue Ausstellung entsteht. Im BLM wird viel Wert auf stimmungsvolle Inszenierungen gesetzt, um die Objekte in einen harmonischen Kontext zu integrieren.“, sagt die 33-jährige Ägyptologin. Momentan entsteht ein Nachbau einer spätrömischen Villa, in der die Besucher ab dem 24. Oktober die Dimension der großen Bildmosaike erleben können. Ein weiteres Bauwerk ist ein Baptisterium, in das die originalgetreue Rekonstruktion eines Taufbeckens eingebettet wird.
Während die Räume der künftigen Ausstellung für die Objekte vorbereitet werden, fühlt man sich im Werkatelier der Museumspädagogik auf einen nordafrikanischen Markt versetzt: Hier entstehen Marktstände, Mosaikwerkstätten und eine Taverne. „Hier wollen wir Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit geben, nach dem Ausstellungsbesuch selbst aktiv zu werden.“, sagt die Museumspädagogin Alexandra Sturm. „Momentan besorgen wir Mosaiksteine, mit denen unsere Besucher dann eigene Entwürfe anfertigen können.“ Aber auch Diskussionsrunden zum Thema „Migration“ bereitet die Museumspädagogik vor. „Noch heute müssen viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen und in völlig neuem Umfeld eine Existenz aufbauen! Das wollen wir gerne mit Lehrern und Schülern thematisieren.“, sagt Sturm. Ein Audioguide ist derzeit in Arbeit, mit dem Besucher die Ausstellung auf eigene Faust entdecken und auf Knopfdruck fachkundige Informationen zu den Highlightobjekten erhalten.
„Es ist einfach toll zu sehen, wie das Konzept aufgeht – schließlich beschäftigen wir uns bereits seit zwei Jahren mit der Ausstellung.“, freuen sich die Kuratorinnen der Ausstellung, Dr. Astrid Wenzel und Susanne Erbelding. Von der ersten Konzeption bis hin zur konkreten Leihanfrage lag das Projekt in ihren Händen. Zusammen mit dem Ausstellungsarchitekten legten sie die Gestaltung, Architektur und Grafik fest. „Wichtig ist, dass die Präsentation einem roten Faden folgt. Gerade bei einem Thema wie den Vandalen benötigt der Besucher Informationen zu Zeit und Ort des Geschehens. Daher arbeiten wir im ersten Teil der Ausstellung auch mit großen Landkarten, die den Weg der Vandalen illustrieren.“ Wenzel und Erbelding verfassen die Ausstellungstexte, die den Besuchern später Hintergrundinformationen zu den Themenbereichen und den einzelnen Objekten geben werden. “Jetzt fehlt nur noch das wichtigste: die Exponate! Aber für die ist jetzt alles bestens vorbereitet.“ Die ersten Objekte aus tunesischen Museen sind schon unterwegs…
- Landesmuseum Karlsruhe -