Verlag Philipp von Zabern


3D-Animationen auf DVD

„Das Königreich der Vandalen“

Tuts Vorkammer

Die heutige 3D-Technik eignet sich in immer perfekterer Weise zur Visualisierung von historischen Gebäuden und ganzen Stadtlandschaften. Virtuelle Nachbildungen am Computer bieten einen interessanten Zugang zur Geschichte im Fernsehen, im Internet oder auf DVD. So lassen sich auf diese Weise selbst komplizierte Bauwerke und vergangene Raumsituationen einem breiten Publikum anschaulich vermitteln.

Kaum einer kann sich der Faszination entziehen, wenn längst zerstörte Gebäude am Computer vor den Augen des Betrachters wieder entstehen. Perspektivwechsel und Flüge durch Innenräume führen zu eindrucksvollen Einblicken. Auch in der Wissenschaft findet die 3D-Rekonstruktion am Computer immer mehr Zuspruch. Rekonstruktionen, gleich ob hypothetisch oder gesichert, führen in Probleme der Bauforschung verständlich ein. Verschiedene Vorschläge können zudem leicht verglichen werden. Die Rekonstruktion des Aussehens eines historischen Bauwerks setzt zugleich aber auch umfassende Recherchen und aufwändige Vorbereitungen voraus.

Rekonstruktionen zu „Das Königreich der Vandalen“

Das Ergebnis solch umfangreicher Vorarbeiten ist nun auf der DVD-ROM „Das Königreich der Vandalen – Erben des Imperiums in Nordafrika“ von MediaCultura zu finden, die zur gleichnamigen Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe von Zabern herausgebracht wurde. Zu sehen sind Computerrekonstruktionen von mehreren Kirchen, einer spätantiken Landvilla und einem Handelsschiff. Bereits in den letzten Jahren entstanden verschiedene virtuelle Modelle von MediaCultura, so z. B. zum antiken Karthago, zu Pergamon, dem spätrömischen Kaiseraugst bei Basel, dem römischen Ladenburg bei Mannheim, der mykenischen Burg von Tiryns in Griechenland oder dem neolithischen Heiligtum von Göbekli Tepe in Südostanatolien.
Stellvertretend für die Animationen auf der DVD über die Vandalen wird hier das Beispiel der christlichen Basilika Damous el-Karita von Karthago gezeigt.

Damous el-Karita

Vor den Toren Karthagos befand sich im 5. und. 6. Jh. n. Chr. ein gewaltiger Baukomplex, der heute als Damous el-Karita bekannt ist. Er bestand in einer fortgeschrittenen Phase aus mehreren Gebäuden, darunter die monumentale neunschiffige Basilika, die größte Kirche, die in Nordafrika in der Spätantike errichtet wurde. Nur wenig blieb von diesem sowohl für die Baugeschichte als auch für die Geschichte bedeutsamen Ensemble erhalten.
In der Animation sieht man verschiedene Bauten im räumlichen Zusammenspiel. Neben der großen Kirche befinden sich Höfe, Säulenhallen, Baptisterium, Memorien zu Ehren von Heiligen sowie Versammlungsgebäude für Kirchenkonzile. Dabei ist die Anbindung der Einzelbauten bzw. die  Zugänglichkeit über Türöffnungen noch keineswegs restlos geklärt wie auch die Dachkonstruktion der Basilika - Kuppel und/oder Satteldach, abgestufte Dächer in den Hauptachsen - Gegenstand weiterer Forschungen sind. Auf der DVD werden die vandalenzeitliche und byzantinische Phase mit jeweils unterschiedlicher Ausprägung vorgeführt.

Gratwanderung zwischen Plausibilität und Fiktion

Bei jedem Thema gilt es aufgrund von mehr oder weniger großen Wissenslücken das richtige Mischungsverhältnis von Realitätsnähe und Abstraktion zu finden, wobei die latente Gefahr des überperfekten Fotorealismus und der Fiktion durch auf diese Weise entstandene suggestive Abbildungen nicht von der Hand zu weisen ist und die Vorgehensweise stets kritisch hinterfragt werden muss. Die Erhöhung der Anschaulichkeit trägt in jedem Fall der Verständlichkeit von Architektur und Urbanistik bei, wofür die beiden verkleinerten Ausschnitte aus Animationen auf der DVD über die Vandalen ein Beispiel sind.


MediaCultura
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DVD-ROM „Das Königreich der Vandalen – Erben des Imperiums in Nordafrika“ (Zabern)
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