Verlag Philipp von Zabern


Letzte Zweifel sollen durch einen DNA-Abgleich beseitigt werden

China: Grab des Generals Cao Cao gefunden?

Tuts Vorkammer
Zeichnung des Cao Cao in einer Ausgabe der "Geschichte der Drei Reiche". Die gebückte Haltung zeichnet ihn als Schurken und Tyrannen aus – denn als solcher wird er in der Erzählung dargestellt (Foto: Wikimedia Commons).

Bereits im Dezember vergangenen Jahres sorgte eine Nachricht von nationalgeschichtlich großer Bedeutung für Aufsehen in den Medien Chinas: Das Grab des legendären Generals Cao Cao (155 – 220 n. Chr.) sei gefunden worden. In der chinesischen Provinz Henan nahe der alten Stadt Luoyang im Kreis Anyang solle sich das Grab befinden. Zu Cao Caos Zeiten war Luoyang die Hauptstadt des chinesischen Teilreiches Wei. Doch es gibt große Zweifel an der Echtheit des Fundes. Handelt es sich tatsächlich um das Grab Cao Caos, oder um eine groß angelegte Fälschung?

Der Grabbau besteht aus zwei Haupt- und vier Nebenkammern und ist mit einer bis zu sechs Meter hohen Gruft ausgestattet. Neben Knochenüberresten von drei Menschen fanden sich Waffen und Alltagsgeräte – etwa 250 Fundstücke wurden bislang im Zuge der Ausgrabungen geborgen.

Der mögliche Grabinhaber ist eine spektakuläre Persönlichkeit: Cao Cao gilt seit jeher als grausamer Despot, aber auch als Dichter und militärisches Genie. Er lebte in der späten Han-Dynastie, die damals im Niedergang begriffen war. Cao Cao besiegte Chinas Kriegsherren, die sich um das Erbe stritten und stieg zur einflussreichsten Person im Reich auf. Er kontrollierte den Kaiser und regierte in dessen Namen. Gnadenlos ging er gegen seine Gegner vor. Nach einer Verschwörung im Jahr 200 ließ er die Aufrührer samt Familien hinrichten, darunter auch die kaiserliche Konkubine Dong. Kaiserin Fu Shou beschwerte sich bei ihrem Vater über die Grausamkeit Cao Caos, woraufhin er sie absetzen und mitsamt ihren beiden Söhnen exekutieren ließ. Ein Jahr darauf erzwang er eine Heirat zwischen seiner eigenen Tochter, Cao Jie, bis dahin Konkubine, und dem Kaiser.

Im Jahr 213 ließ Cao Cao sich zum «Fürsten von Wei» ernennen und die Neun Ehrenzeichen verleihen, ein Zeichen für die baldige Thronfolge. Nur drei Jahre später erhielt er den erblichen Titel «Herzog von Wei», womit er seine Familie endgültig in den führenden Kreisen des Reiches verankerte. Er betrieb eine tolerante Religionspolitik und reformierte das Beamtensystem sowie die Agrarwirtschaft. Als er im Jahr 220 in Luoyang verstarb, hinterließ er seinem Sohn, Cao Pi, seinen Titel und eine starke Position am Hofe, die dieser redlich nutzte. Er zwang den Kaiser noch im selben Jahr abzudanken und ließ sich selbst als Kaiser krönen. Damit begründete Cao Pi die Wei-Dynastie, die 45 Jahre (220 – 265 n. Chr.) dauern sollte.

Neben militärischen Abhandlungen überdauerte auch die Dichtkunst Cao Caos die Zeit. Oft dargestellt als Bindeglied zwischen Volksliedern und der gelehrten Dichtung, gilt sie als epochal und ist noch heute Bestandteil des Schulunterrichts. Berühmt ist auch die «Geschichte der Drei Reiche» aus dem 14. Jh., in welcher Cao Cao als grausamer Tyrann verewigt ist.

 

Gefälschte Inschriften? 

In den Medien wurde der Grabfund euphorisch gefeiert und der als despotisch bekannte General zu einer bedeutenden Person in der Entwicklung der chinesischen Reichseinheit verklärt. Einige namhafte chinesische Forscher halten die Zuordnung des Grabes allerdings für falsch. Nach ihrer Aussage gibt es erhebliche Zweifel an der Echtheit des Fundes. Vor allem kalligraphische Hinweise sprechen dagegen. So sei Cao Cao zu Lebzeiten «Fürst von Wei» gewesen und nach seinem Tod durch seinen Sohn mit dem Titel «Fürst Wu» geehrt worden. Im Grab selbst aber benennen ihn Inschriften als «Fürst Wu von Wei», eine eher ungewöhnliche Titulierung. Ebenso verhält es sich mit einer Inschrift, die sich auf einer der im Grab gefundenen Steintäfelchen befindet: das Zeichen für «Jahr» ähnelt sehr der heutigen Schreibweise, obwohl jene in den letzten 1800 Jahren erhebliche Veränderungen erfahren hat. Für einige Forscher sind dies eindeutige Indizien dafür, dass die Inschriften gefälscht sind. Andere wiederum lesen diese Inschriften als eindeutigen Beweis, dass es eines der vielen Gräber von Cao Cao sei. Denn der General hatte im ganzen Reich bis zu 72 Scheingräber errichten lassen, damit man seine letzte Ruhestätte nicht findet.

Aber wer ist nun der Inhaber dieses Grabes? Die im Grabbau gefundenen Knochen gehören zu einem ca. 60-jährigen Mann, einer ca. 50-jährigen sowie einer 20 bis 25-jährigen Frau. Es ist durchaus möglich, dass es sich dabei um Cao Cao, seine Ehefrau und um eine Dienerin oder Konkubine handelt. Anthropologen der University of Fudan versuchen nun über eine DNA-Analyse die Knochen des Mannes näher zur bestimmen. Dazu haben sie im ganzen Land Männer aufgerufen, die den Namen Cao oder Xiahou (Name der Familie des Vaters von Cao Cao) tragen, DNA-Proben von sich zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es, charakteristische Merkmale im Code des Y-Chromosoms zu ermitteln, die vom Vater auf den Sohn vererbt werden. Wenn es gelingt, aus dem Knochenmaterial des Toten DNA-Spuren zu isolieren, könnte man diese mit den gesammelten Proben vergleichen und den Nachweis für oder gegen den General erbringen. Die Methode ist alerdings sehr kompliziert und die gemessenen Daten sind unter Umständen nicht zuverlässig. Man darf gespannt sein, was die Forscher herausfinden. Mit den Knochen seines Sohnes, Cao Pi, wird man die Spuren nicht vergleichen können. Dessen Grab ist zwar identifiziert worden, aber die Knochen sind seit langem verschwunden.

Trotz aller Vorbehalte hat sich ein großer Teil der Forschungsgemeinde inzwischen darauf geeinigt, dass es sich bei der jüngst gefundenen Grabstätte um jene des Cao Cao handelt. Die Ausgrabungen werden vorangetrieben, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und um diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der chinesische Staatssender CCTV übertrug die archäologischen Arbeiten am Grab als Live-Event zum fünften nationalen Kulturerbetag. Zudem wurde die Stätte vor kurzem durch die lokalen Behörden dem zahlenden Publikum geöffnet.

 

– AW-Redaktion –

 

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