Verlag Philipp von Zabern


Ein Rundgang durch die Ausstellung

Aufbruch in die Gotik

Tuts Vorkammer
Das Brandenburger Evangeliar gehört zu den Schmuckstücken der Landesausstellung Sachsen-Anhalt

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg zeigt vom 31. August bis zum 6. Dezember 2009 die große Mittelalterausstellung „Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit.“ Die Landesausstellung Sachsen-Anhalt steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages.

Das Kulturhistorische Museum Magdeburg nimmt den 800. Jahrestag der Grundsteinlegung des Magdeburger Domes zum Anlass, auf 1.000 m2 Ausstellungsfläche eine große Mittelalterschau zu präsentieren. In acht Abteilungen zeigen insgesamt 400 Originalobjekte von 126 Leihgebern aus 10 Ländern Europas und aus den USA die Geschichte und Kunst der späten Stauferzeit. Die Ausstellung lädt den Besucher zu einer Entdeckungsreise in eine Zeit ein, in der sich die Welt des mittelalterlichen Menschen grundlegend veränderte.

Der gotische Magdeburger Dom ersetzte den 1207 durch Brand zerstörten Vorgängerbau, den Otto der Große im 10. Jh. gegründet hatte. Von der großen Bedeutung dieses Bauwerks, die auch in nachottonischer Zeit fortdauerte, berichtet die erste Abteilung der Ausstellung mit dem Titel „Der Kaiserdom Ottos des Großen“. Hier werden auch die Ergebnisse der langjährigen Forschungsgrabungen des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt und der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt präsentiert.

Dass der ab 1209 entstehende gotische Dom „Neuerung und Erinnerung“ in sich vereint, thematisiert der zweite Bereich. Hier werden die Funktion des ältesten gotischen Kathedralbaus Deutschlands und seine möglichen Vorbilder vorgestellt.
Im dritten Kapitel „Die neue Architektur“ machen die aus dem beginnenden 13. Jh. überlieferten ältesten architektonischen Planzeichnungen und kunstvolle Miniaturen die technischen Innovationen der Gotik nachvollziehbar. Frühgotische Glasmalerei, Bauskulptur und Bauornamentik aus Frankreich und Deutschland vervollständigen diesen Ausstellungsteil.

Die vierte Abteilung „Gottesdienst und Gegenwart der Heiligen“ zeigt die Schätze der gotischen Gotteshäuser: Reliquiare, liturgische Geräte, aber auch Gemälde und nicht zuletzt die liturgischen Gewänder der Geistlichen füllten die Innenräume der gotischen Kathedralen mit ihrer Pracht.

Wie die Architektur, so wurden auch Kunst und Kultur im 13. Jh. durch Vermittler und Auftraggeber beeinflusst. Häufig waren es Äbte und Bischöfe, die ihre Ausbildung an den neu gegründeten Universitäten von Bologna und Paris erfuhren. Den Kultur- und Wissenstransfer zeigt die Ausstellung im fünften Bereich „Entfaltung von Kunst, Wissen und Recht“. Die zunehmende Verschriftlichung des Rechts zählt ebenfalls zu den Phänomenen dieser Zeit. Im Eike-von-Repgow-Jahr 2009 wird dem von ihm zwischen 1220 und 1235 geschaffenen Sachsenspiegel in dieser Abteilung besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Unter der Herrschaft Kaiser Friedrichs II. verlagerte sich das politische Gewicht im Heiligen Römischen Reich auf die weltlichen und geistlichen Landesherren, die ihr Land ausbauten, Burgen errichten ließen und Städte förderten. Dieses sind die Themen des sechsten Kapitels „Herrschaft und Gesellschaft“.

Die weit gereisten Kaufleute, Pilger und nicht zuletzt die Kreuzfahrer brachten die Vorstellung der Menschen von der Welt in Bewegung. Farbenprächtige Karten und die ältesten mittelalterlichen Weltchroniken zeigen unter der Überschrift des siebten Kapitels „Das Bild von der Welt“, wie die Menschen des 13. Jhs. ihren Lebensraum wahrnahmen.

In den mittelalterlichen Städten des 13. Jhs., die einen bislang nicht gekannten Aufschwung erlebten, entwickelten die Bewohner ein neues, bürgerliches Selbstbewusstsein. Innerhalb der Stadtmauern siedelten wohlhabende Händler und Kaufleute, neben den Waren des täglichen Bedarfs wurden zunehmend auch Luxusartikel angeboten. Eindrucksvolle Einblicke in das Leben der Menschen, in das „Städtische Leben im Aufschwung“, bieten die Funde der Stadtarchäologie im letzten Kapitel der Ausstellung.

Zwei kleine Begleitausstellungen des Museums für Naturkunde, das sich gemeinsam mit dem Kulturhistorischen Museum unter einem Dach befindet, ergänzen die Landesausstellung  „Aufbruch in die Gotik“. Das Projekt „Der Dom und seine Steine“ zeigt aus der Sicht des Geologen, woher das Steinmaterial für den Dombau stammt. Darüber hinaus zeigt das Museum für Naturkunde die Wanderausstellung „Von der Kunst mit Vögeln zu jagen. Das Falkenbuch Friedrichs II. – Kulturgeschichte und Ornithologie“ und verweist damit auf die Darstellung der Tierwelt in einer der berühmtesten Handschriften aus der ersten Hälfte des 13. Jhs.

Die Manufaktur Schloß Wernsdorf gestaltet für die Ausstellung einen Musikerlebnisraum, in dem man den „Klang der Gotik“ hören kann. Anschaulich zeigt diese multimedial konzipierte Begleitausstellung, wie die heutige Wissenschaft der mittelalterlichen Musik auf die Spur kommt.

- Landesausstellung Sachsen-Anhalt -

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