
In der Thekla-Katakombe in Rom haben Wissenschaftler Bildnisse der vier Apostel Petrus, Paulus, Andreas und Johannes gefunden – Beleg für eine christliche Bestattung und ein weiteres Zeugnis früher Christen in Rom.
An Stirnglatze und Spitzbart, der für ihn typischen Physiognomie, kann er erkannt werden: der Apostelfürst Paulus. Außer ihm konnten drei weitere Begleiter Christi – Petrus, Andreas und Johannes – identifiziert werden. Die Thekla-Katakombe liegt nahe der frühchristlichen Basilika San Paolo fuori le mura in Rom, die im 4. Jh. n. Chr. gebaut wurde und einst vor den Mauern der Stadt lag. Bereits im 3. Jh. n. Chr. wurde die Grabanlage eingerichtet, die heidnische wie christliche Bestattungen gleichermaßen beherbergt. Heute ist das weitläufige Areal des unterirdischen Friedhofs, das glücklicherweise nicht völlig zerstört wurde, zum Teil von modernen Häusern überbaut. Die Decke der Grabkammer, deren Wände über und über mit Malerei geschmückt sind, zeigt in den Ecken die Brustbilder vierer Apostel. Bestattet wurde hier eine spätrömische Aristokratin christlichen Glaubens, wie die biblischen Motive eindrucksvoll belegen. Das Gewölbe imitiert eine Kassettendecke in Freskomalerei und zeigt außerdem Christus, um den seine Apostel versammelt sind, und zwei weibliche Orantenfiguren – Betende mit erhobenen Händen. Nun ist es Archäologen und ihrem Direktor Fabrizio Bisconti gelungen, neben dem bereits 2009 entdeckten Antlitz des Paulus, Medaillons mit den Aposteln Petrus, Andreas und Johannes mittels eines Speziallasers von einer Lehm- und Kalkschicht zu befreien. Die Besonderheit der freigelegten Malereien ist deren Farbigkeit. Für gewöhnlich zeigen Grabkammern ihren bildlichen Schmuck auf weißem Grund, während hier ein kräftiges Rot und Blau den Hintergrund für die figürlichen Darstellungen geben. Außerdem handelt es sich bei den Malereien um ein frühes Beispiel ihrer Art: isolierte Brustbilder der Apostel, die nicht in einer Gruppe oder mit weiteren Attributen dargestellt sind. Datiert werden die Fresken in das späte 4. Jh. n. Chr. und belegen somit, dass sich ein Kult um die Apostel bereits unter den frühen Christen Roms entwickelte. Bislang ist die Thekla-Katakombe wegen der anhaltenden Arbeiten nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.