
Wenn nach einem langen, harten Winter Frühlingsgefühle den Alltag aufwirbeln mag mancher die Einmischung Aphrodites erkennen. War ihr Liebesleben doch nicht weniger kompliziert als jenes heutiger Tage. Ehebruch und Verführung, Versteckspiel und Entdeckung - Aphrodite ist eben nicht nur die Göttin der Liebe, sondern kennt selbst Liebeskummer und Sehnsucht. Zugleich ist sie Sinnbild erotischer Anziehungskraft.
Kaum eine antike Göttin hat die Menschen aller Epochen so fasziniert wie die Liebesgöttin Aphrodite, die in Rom Venus hieß. Schön war sie, so schön „dass alle Götter hätten bei ihr liegen wollen“. Als unglückliche Gattin des Hephaistos ließ sie sich vom properen Kriegsgott Ares (Mars) verführen (was sie nur an sich haben, die Männer „in Uniform“??) und bekam mehrere Kinder von ihm, von denen Eros (Amor) als Begleiter seiner Mutter der bekannteste ist, während bezeichnenderweise die beiden anderen Söhne Deimos (Schrecken) und Phobos (Angst) hießen und ihren Vater, den Kriegsgott begleiteten. Schon Homer in seiner Odyssee erzählte von dieser Liebesbeziehung, und vielen Menschen seit der Antike ist sie im Gedächtnis. Iulius Caesar erwählte Aphrodite gar als Venus Genetrix zu seiner Schutzgöttin und Urmutter seines Geschlechts, dem er eine mythologische, also göttliche Abstammung andichtete.
Es gibt unzählige Repräsentationen der meist nackt oder nur leicht bekleideten Göttin Aphrodite. In der Antike wurden oftmals Genreszenen abgebildet, wie das Entkleiden, das Ablegen der Schuhe, der Ausstieg aus dem Bad, das Kämmen der langen goldenen Locken; und nur selten erkennt man zusätzlich zu den „Formen“ der Göttin auch noch Hinweise etwa auf antike Unterwäsche wie das Busenband (z. B. Statuette Neapel, Nationalmuseum, Inv. 152798).
Ab der Renaissance wurden dann Szenen aus dem Leben der Aphrodite/Venus zu einem beliebten Sujet der Malerei – man denke an die „Geburt der Venus“ von Botticelli und andere mehr. Zu allen Zeiten, besonders aber im prüden 19. Jh., waren solche Szenen vor allem eines: ein Alibi für die detailgenaue Darstellung eines Frauenaktes. Doch auch ein Planet wurde nach der Liebesgöttin benannt, und vieles trägt ihren Namen: von Kosmetikprodukten, Diätprogrammen und der Venusfliegenfalle (einer fleischfressenden Pflanze) bis hin zu den „Venusnippeln“ aus Schokolade. Aphrodite ist also jedem ein Begriff und bis heute wünscht sich manch einer, doch endlich von den Liebes-Pfeilen ihres Sohnes Amor getroffen zu werden – das könnte ja am Valentinstag einmal gelingen!