Verlag Philipp von Zabern


Papyrus nach 3500 Jahren erstmals wieder entrollt

Ägyptisches Schriftstück erstaunlich gut erhalten

Tuts Vorkammer

Ein ägyptischer Totenbuch–Papyrus wurde nun am Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften in Köln zum ersten Mal wieder geöffnet – zu groß war bisher die Angst vor Zerstörung des Papyrus. Vor den Forschern tat sich eine komplett erhaltene Schriftrolle in strahlenden Farben auf.

Das entrollte Schriftstück ist eines der seltenen seiner Art, heute existieren nur noch wenige farbige Papyri aus der Epoche der frühen 18. Dynastie. Der Totenbuch-Papyrus, der nun in Köln entrollt wurde, besitzt eine Breite von 3,20m und besticht durch einen guten Erhaltungszustand sowie seine farbigen Darstellungen. Laut des leitenden Restaurators Prof. Robert Fuchs vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften der Fachhochschule Köln (CICS)  wirkten die Farben so frisch als seien sie erst vor Kurzem aufgetragen worden. Die im Alten Ägypten nur selten verwendete Farben Rosa und Hellblau hatten kaum von ihrer Leuchtkraft eingebüßt, während das Grün etwas bröckelte und sofort von den Experten der Papierrestaurierung gefestigt wurde. Die Schriftrolle wurde bei einer Temperatur von 28°C und einer Luftfeuchtigkeit von 97 %, unter ständiger Befeuchtung, innerhalb von fünf Stunden langsam ausgerollt und problematische Stellen, wie die Lagerungsknicke vorsichtig zurückgeformt.

Aufrollen des Papyrus

Entrollen des Papyrus in den Werkstätten des CICS (Foto: Robert Fuchs).

Zuvor wurde der Papyrus mehrere Tage lang auf seine Öffnung vorbereitet. Totenbuch-Papyri sind eine Art persönliches Gebetbuch für den Verstorbenen, die in einem Holzkästchen oder einer Keramikvase mit ins Grab gelegt wurden. Sie sollten den Toten mit ihren Sprüchen und Beschwörungen vor Dämonen beschützen. Nur selten waren die Wünsche direkt auf den Verstorbenen abgestimmt, Prof. Fuchs weiß, dass solche Papyri auch als «Rohlinge» hergestellt wurden und nach Bedarf nur noch der Name eingesetzt werden musste. Das entrollte Schriftstück wurde im Gegensatz dazu speziell für seinen Besitzer namens Amenemhet (Imn–m–H3t) angefertigt. Unterteilt in mehrere Kapitel, zeigt es neben einigen Textpassagen auch zwei Darstellungen des Toten sowie 14 heilige oder geheime Orte der Unterwelt. Auch Dämonen, wie Schlangen, Krokodile, Nilpferde und andere Tiere, die an diesen Orten wohnen, sind zu sehen. Mit den abgebildeten Beschwörungsformeln und Sprüchen sollen die Dämonen, die den Verstorbenen bedrohen, besiegt werden.

Entrollter Papyrus

Entrollter Papyrus (Foto: Robert Fuchs).

Der Grabinhaber war zu Lebzeiten Kammerherr eines Pharaos der 18. Dynastie, wofür mit größter Wahrscheinlichkeit die Herrscher Tutmosis III. oder Amenophis II. in Frage kommen. Die Wissenschaftler sind verwundert darüber, wie sich Imn–m–H3t als Beamter des Mittleren Dienstes solch einen prächtigen Totenbuch–Papyrus leisten konnte, da solche Beigaben lediglich aus den Gräbern der sog. oberen Hundert bekannt sind. Seine Papyrusrolle besteht aus zwei Teilen, wobei es sich bei dem jüngst entrollten Stück um die zweite Hälfte handelt. Erstere wurde beim unsachgemäßen Öffnen stark beschädigt. Die entstandenen Risse, Knicke sowie Lücken werden seit eineinhalb Jahren von den Kölner Experten um Robert Fuchs behandelt und durch Fragmente ergänzt, die in anderen Sammlungen gefunden wurden. Die Suche nach weiteren Bruchstücken gestaltet sich jedoch äußerst schwierig da schon kleine Papyrusstreifen bei Sammlern heiß begehrt sind und in Privatsammlungen verschwinden. Auch der geöffnete, zweite Teil des Totenbuches befindet sich in Privatbesitz.

Die Entrollung des Papyrus wurde von einem professionellen Kamerateam begleitet, um diesen einmaligen Vorgang zunächst der Fachwelt und später einem allgemeinen Publikum zugänglich zu machen. Nun muss darüber entschieden werden, wie die Schriftrolle in der Zukunft aufbewahrt wird. Eine Möglichkeit ist es, den Papyrus wieder an einem Stück einzurollen. Da eine Papyrusrolle aber lediglich 10 bis 15 Mal, ohne größeren Schaden zu nehmen, geöffnet werden kann, schlagen die Wissenschaftler am CICS vor, das Schriftstück an den Trennstrichen zwischen den Kapiteln zu zerschneiden. Die einzelnen Stücke könnten dann zwischen UV–Licht–sicheren Glasplatten eingefasst und ohne Risiko sowohl gelagert als auch ausgestellt werden.

 

 

-AW–Redaktion-

 

 

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